Auszeichnung für Forschungsteam auf der ICA 2025
Ein bemerkenswerter Erfolg für das Team um Vanessa Kokoschka (h_da), Bernadette S. Uth, Hannah Ötting und Henning Eichler: Gemeinsam wurden sie auf der renommierten International Communication Association Conference (ICA) in Denver mit dem Top Extended Abstract Award der Journalism Division für ihr Abstract „Debate Spaces Audiences Actually Want? A Case Study of the Public Spaces Incubator“ ausgezeichnet.
Ein alternativer Diskussionsraum: Der Public Spaces Incubator
Der Public Spaces Incubator (PSI) ist ein internationales Projekt öffentlich-rechtlicher Medienhäuser wie ZDF, ARD, CBC/Radio-Canada, RTBF (Belgien), SRG SSR (Schweiz) und ABC (Australien), in Kooperation mit der Organisation New_ Public. Ziel ist es, digitale Tools für die eigenen Plattformen so zu gestalten, dass sie konstruktiven, nicht-kommerziell getriebenen öffentlichen Dialog fördern.
Das ZDF hat dafür bereits Tools entwickelt, die direkt auf der eigenen Website oder in der Mediathek eingesetzt werden – etwa kommentierbare Live-Formate oder ein Rollensystem, das sichtbar macht, aus welcher Perspektive Nutzer:innen argumentieren. „Man versucht so, Debatten zu entpolarisieren und differenzierter zu gestalten“, sagt Vanessa Kokoschka. „Vor allem geht es darum, auf eigenen Plattformen eine Diskussionskultur in digitalen Räumen zu ermöglichen, die sich besser moderieren lassen – um Hate Speech, Desinformation und Fake News gezielt zu begrenzen.“
Was hat das Forschungsteam untersucht?
Im Zentrum der Studie stand die Frage, wie Redakteur:innen des ZDF die neuen Werkzeuge des PSI bewerten. Dafür führte das Forschungsteam leitfadengestützte Interviews mit Redaktionen, die die PSI-Prototypen bereits austesten durften. „Wir wollten wissen, welche Erwartungen sie an eine ideale Interaktion mit dem Publikum haben und welche Chancen sie in den neuen Tools sehen“, erklärt Kokoschka. Besonders spannend war für sie die gesellschaftliche Relevanz: „Es wird überall über Desinformation, algorithmische Verzerrungen und rechte Strömungen diskutiert, aber echte Alternativen zu den gängigen Plattformen gibt es bisher kaum. PSI könnte eine solche Alternative sein. Deshalb wollten wir genau hinschauen.“
Ein Blick hinter die Kulissen: Der Besuch in Denver
Mit einer Auszeichnung hatte das Team nicht gerechnet – umso größer war die Überraschung, als zwei Wochen vor Abflug die Nachricht vom Fachgruppenleiter der Journalism Division kam: Die Einreichung wird ausgezeichnet. „Das war eine riesige Freude. Wir sind mit einer ganz neuen Energie und Motivation zur Konferenz gefahren“, erzählt Kokoschka. Insgesamt waren über 270 Beiträge in der Kategorie Extended Abstract eingereicht worden. Die Preisverleihung bleibt ihr in lebhafter Erinnerung. Die ICA Conference in Denver sei nicht nur die größte internationale Konferenz ihres Fachs gewesen, sondern auch ein Ort des unkomplizierten Austauschs: „Ich habe tolle Menschen getroffen. Man kommt einfach ins Gespräch – Hierarchien gibt es im Gespräch quasi nicht.“ Neben der Auszeichnung nahm sie auch viele neue Kontakte, Impulse und Ideen für die nächste Forschungsphase mit nach Hause.
Wie geht es weiter?
In einem nächsten Schritt will das Team untersuchen, wie das Publikum die PSI-Tools wahrnimmt: Funktionieren sie auch aus Sicht der Nutzer:innen? Entsprechen sie deren Erwartungen? Und würden sie sie tatsächlich im Alltag verwenden? „Wir wollen die Sicht der Redaktionen mit der Perspektive der User gegenüberstellen“, so Kokoschka. Die ersten Vorbereitungen laufen bereits, ein Ethikantrag für die geplante qualitative Erhebung ist in Vorbereitung. Darüber hinaus wäre es laut Kokoschka spannend, das Thema auch international weiterzuverfolgen: „Das Projekt wurde von Beginn an international mitentwickelt. Vielleicht ergeben sich daraus auch länderspezifische Vergleichsstudien oder neue Forschungskooperationen.“