ScienceTuesday: Technologische Naherwartung. Was bewegt den Traum vom autonomen Fahren?
📅 Dienstag, 26.05.2026
🕑 13:30 bis 14:15 Uhr
🧑🎓 Referent: Prof. Dr. Sebastian Pranz
📍 Mensa/hybrid (Link siehe unten)
Die Geschichte des autonomen Fahrens ist bis heute von einer eigenartigen Naherwartung geprägt. Das Zeitalter, in dem eine fehlbare menschliche Fahrer*in von einer unfehlbaren Technologie abgelöst wird, schien schon in den 1960er Jahren zum Greifen nah, als die Firma Continental ein ferngesteuertes 'Geisterauto' zum Reifentesten vorstellte. Auch aktuelle Technologien wie Teslas sogenanntes 'Full Self Driving' versprechen die nahe Zukunft einer autonomen Verkehrswende: Wenn der Mensch vom Steuer verschwindet, so das Narrativ, werden Fahrzeuge sicherer, komfortabler und effizienter. Das vorstellte Projekt untersucht die Imaginarys des autonomen Fahrens anhand von drei empirischen Fällen aus den Bereichen Individualverkehr und ÖPNV. Dabei geht es zum einen darum, die soziotechnischen Vorstellungen herauszuarbeiten, die die Technologieentwicklung gestern wie heute bewegen. Zum anderen soll die spezifische Temporalität der Erzählung untersucht werden: Wie gestaltet sich der Tempus einer Zukunftserzählung? Welche Zeitlichkeiten stehen in Konflikt zueinander, welche setzen sich durch? Wie werden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft interpunktiert? etc. In der noch unvollendeten Technologie des autonomen Fahrens, so die These, berühren sich Gegenwart und Zukunft, sodass das Auto zum "Erlebnisraum" (Koselleck, 1995) für den Verkehr von morgen wird.