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Solace

Ein erschöpft wirkender Mann mit Bart sitzt in einer hellen Küche und blickt leer nach vorn. Über seinem Kopf schwebt eine gedachte Szene: Er sitzt im Büro vor einem Laptop mit Headset, während neben ihm eine Frau spricht. Die Darstellung wirkt wie eine Knet- oder Stop-Motion-Figur und symbolisiert, dass seine Gedanken noch bei der Arbeit sind, obwohl er zu Hause ist. Türkisfarbenes Wortzeichen ‘solace’ in Kleinbuchstaben, rechts daneben ein Symbol aus zwei sich leicht überlappenden, vertikal angeordneten Kreisen, ebenfalls in Türkis, auf weißem Hintergrund. Rückansicht einer allein sitzenden Person auf einem hellen Sofa in einem Wohnzimmer, die auf eine große, leuchtend orangefarbene Fläche mit abstrakten schwarzen Formen an der Wand vor ihr blickt. Handgezeichnete Produktabbildungen des Solace-Stage, des Solace-Dock und des Solace-Scentplug: oben links und mittig zwei perspektivische Zeichnungen einer flachen, abgerundeten Gerätebasis (Stage) mit Tiefensensoraussparung, geneigte Projektionsfläche und Anschlüssen, unten links eine flache Ladestation (Dock), rechts zwei frontale Ansichten eines kleinen, abgerundeten Steckgeräts (Scentplug) mit Solace-Logo und farblich abgesetztem unteren Bereich. Nahaufnahme einer modellhaften Hand, die ein schwarzes Smartphone in den Solace-Dock platziert, im Hintergrund ist unscharf eine helle Küchen-Wohnzimmer-Szene zu sehen. Zweiteilige Fotoabbildung eines prototypischen Solace-Docks: links das geschlossene, beige 3D-gedruckte Gehäuse mit kleinem Button, LED und eingelassenem Logo auf der Oberseite, rechts die geöffnete Unterseite mit durchsichtiger Abdeckung, die einen eingebauten ESP32-Mikrocontroller sowie die interne Verkabelung zu Button und LED sichtbar macht. Foto einer 3D-gedruckten Darstellung der Solace-Stage: beige, ovale Basis mit ausgefahrener, länglicher Erweiterung, in der ein schwarzes Kinect V2-Sensorgerät integriert ist, türkisfarbene Unterseite und ein Stromkabel; abgelegt auf einem weißen Tisch vor einer hellen Wand.
User Experience Design 7. Fachsemester

Ein zu Hause integriertes, körperlich-sinnliches und klar begrenztes Nicht‑Verfügbar‑Ritual.

Ein Bachelorprojekt von: Amy Sutcliffe
7. Semester, 2025/2026
Referent:innen: Prof. Tsunemitsu Tanaka, Prof. Andrea Krajewski


Kein Raum für Übergang

Viele Berufstätige kennen das Gefühl, zwar körperlich zu Hause angekommen zu sein, gedanklich jedoch noch im Arbeitsalltag festzustecken. Ein stressiger, kommunikationsintensiver Tagesablauf in Kombination mit permanenter digitaler Erreichbarkeit lässt kaum Raum für echte Erholung, obwohl diese essenziell ist, um Reizbarkeit, sozialen Rückzug und Energiemangel entgegenzuwirken.



Solitude – der Zustand des freiwilligen, ungestörten Alleinseins – bietet hierfür eine zentrale Voraussetzung. Sie befreit von äußeren Erwartungen, schafft Raum für eigene Bedürfnisse und ermöglicht klares, selbstbestimmtes Denken. Entscheidend ist dabei die Abwesenheit sowohl physischer als auch virtueller Verbindungen.
 Dennoch fehlt es im Alltag an Ansätzen, die bewusstes Alleinsein und Regeneration als notwendige Grundlage für qualitative Interaktion legitimieren. Ebenso an einem klar definierten Übergangsraum, in dem man vorübergehend physisch wie digital nicht erreichbar ist, um anschließend umso präsenter zu sein: für Partner, Familie, Freunde und sich selbst.

Hier setzt das Projekt an: Solace versteht sich als rituelles, räumlich eingebettetes System, das Solitude schützt, Ablenkungen reduziert und diesen Übergang bewusst rahmt. Der Rückzug wird dabei nicht als Isolation verstanden, sondern als Voraussetzung für bewusste, qualitativ hochwertige Begegnung

Ein erschöpft wirkender Mann mit Bart sitzt in einer hellen Küche und blickt leer nach vorn. Über seinem Kopf schwebt eine gedachte Szene: Er sitzt im Büro vor einem Laptop mit Headset, während neben ihm eine Frau spricht. Die Darstellung wirkt wie eine Knet- oder Stop-Motion-Figur und symbolisiert, dass seine Gedanken noch bei der Arbeit sind, obwohl er zu Hause ist.

Solace: Der Zwischenraum

Das menschliche Bedürfnis nach selbstgewähltem Alleinsein darf in seiner Legitimation im Alltag nicht verloren gehen.

Solace ist ein atmosphärisches System für den Wohnraum, das den Übergang vom Arbeits- in den Freizeitmodus in den eigenen vier Wänden in einen klar markierten, geschützten Zwischenraum transformiert, in dem Stress abgebaut, mentale Erholung gefördert und Gedanken freier fließen können.

Dabei legitimiert es eine zeitlich begrenzte Phase der „Nicht-Verfügbarkeit“ als essenziellen Akt der Selbstfürsorge und verankert diesen Übergang als wiederkehrendes, ritualisiertes Element des täglichen Nachhausekommens, um darauffolgenden Pflichten und Interaktionen mit höherer Qualität zu begegnen.

Dies geschieht bewusst ohne Zwang, Bewertung oder Anstrengung und auf atmosphärische, sinnlich erfahrbare Weise, sodass das „Runterkommen“ zu etwas wird, das man nicht nur versteht, sondern tatsächlich spürt.

Türkisfarbenes Wortzeichen ‘solace’ in Kleinbuchstaben, rechts daneben ein Symbol aus zwei sich leicht überlappenden, vertikal angeordneten Kreisen, ebenfalls in Türkis, auf weißem Hintergrund.
Rückansicht einer allein sitzenden Person auf einem hellen Sofa in einem Wohnzimmer, die auf eine große, leuchtend orangefarbene Fläche mit abstrakten schwarzen Formen an der Wand vor ihr blickt.

Ein Moment nur für dich

Das Erlebnis beginnt mit einer einfachen Geste: dem Ablegen des Smartphones in einem dafür vorgesehenen Dock, wodurch ein atmosphärischer Zwischenraum entsteht. Eine reduzierte Szenerie aus gedimmtem Licht, einer dezenten Duftkomponente, einer zurückhaltenden Rausch-Soundscape und einer abstrakten Projektion umhüllt die nutzende Person sanft und ohne Anstrengung.



Der Einfluss auf das System ist optional und niedrigschwellig gestaltet und bleibt damit offen für unterschiedliche Grade der Aktivität: vom passiven Wahrnehmen bis zur bewussten Einflussnahme. Durch langsame Armbewegungen kann die Person die Atmosphäre fein modulieren, etwa in ihrer Richtung und Struktur, wodurch eine beruhigende und entlastende Wechselwirkung mit der Umgebung entsteht.

 Dabei geht es nicht um Abschottung, sondern um eine bewusste Form des Alleinseins. Diese Phase der Solitude stärkt die Fähigkeit, mit sich selbst präsent zu sein, Gedanken nachklingen zu lassen und emotionale Spannungen abzubauen.



Nach der Session tritt die Person erneut in Interaktion mit Freunden, Partnern oder Familie, in einem regulierten, offeneren Zustand. Ziel des Rituals ist es, den Geist nach der Arbeit zu klären, damit anschließende Begegnungen bewusster, geduldiger und präsenter erlebt werden können.

Das Solace-System im Überblick

Das System besteht aus dem Solace-Dock, dem Solace-Scentplug und der Solace-Stage, die gemeinsam einen atmosphärischen Übergangsraum im Wohnraum erzeugen. Alle Komponenten kommunizieren drahtlos miteinander.

Die Solace-Stage bildet das Herzstück des Systems. Sie vereint Projektor, Bewegungs- und Tiefensensor sowie Lautsprechersystem in einem einzigen, wohnraumgerechten Objekt. Die Stage wird auf einem Sideboard oder Schrank platziert, etwa 50–80 cm von der Wand entfernt, und benötigt keine Deckenmontage.

Die projizierte visuelle Szene besteht aus klar lesbaren, organischen Mustern, die vertraut wirken, ohne narrativ zu werden. Die lavalampenartige Ästhetik lässt die Szene „fließen“, „glimmen“ und „atmen“ und bewahrt dabei ihren körperlich-atmosphärischen Reiz. Ergänzt wird das Erlebnis durch Brown Noise, das als unaufdringliches, kontinuierliches Soundelement maßgeblich zur multisensorischen Gesamtatmosphäre beiträgt.

Handgezeichnete Produktabbildungen des Solace-Stage, des Solace-Dock und des Solace-Scentplug: oben links und mittig zwei perspektivische Zeichnungen einer flachen, abgerundeten Gerätebasis (Stage) mit Tiefensensoraussparung, geneigte Projektionsfläche und Anschlüssen, unten links eine flache Ladestation (Dock), rechts zwei frontale Ansichten eines kleinen, abgerundeten Steckgeräts (Scentplug) mit Solace-Logo und farblich abgesetztem unteren Bereich.

Das Solace-Dock fungiert als bewusster physischer Trigger des Systems. Es erkennt das Ablegen und Entnehmen des Smartphones über einen Mikroschalter und übermittelt diesen Zustand drahtlos an die Solace-Stage. Durch das bewusste Ablegen wird die digitale Verfügbarkeit für eine begrenzte Zeit ausgesetzt: Arbeitssignale, Chats und Doomscrolling bleiben draußen, sodass eine selbstbestimmte, kurzzeitige Alleinheit ohne soziale Erwartungen oder digitale Ablenkungen entsteht.

Der Solace-Scentplug erweitert das System um eine olfaktorische Ebene. Als eigenständiger Duftdiffusor wird er drahtlos von der Solace-Stage gesteuert. Natürliche, dezente Duftnoten wie Lavendel, Sandelholz, Jasmin oder Kamille unterstützen während der Session die Entspannung und fördern ein Gefühl von innerer Präsenz.

Zusätzlich ist ein Lichtmodul vorgesehen, das das System wirkungsvoll ergänzt und die atmosphärische Gestaltung des Raums unterstützt.

Zusammen bilden Dock, Scentplug, Stage und optionales Licht ein kohärentes, ruhiges Gesamtsystem, das sich nahtlos in den Alltag und Wohnraum der Nutzenden einfügt.

Nahaufnahme einer modellhaften Hand, die ein schwarzes Smartphone in den Solace-Dock platziert, im Hintergrund ist unscharf eine helle Küchen-Wohnzimmer-Szene zu sehen.
Visualisierung, erstellt mit Unterstützung von Google Gemini (KI-generiert)
Zweiteilige Fotoabbildung eines prototypischen Solace-Docks: links das geschlossene, beige 3D-gedruckte Gehäuse mit kleinem Button, LED und eingelassenem Logo auf der Oberseite, rechts die geöffnete Unterseite mit durchsichtiger Abdeckung, die einen eingebauten ESP32-Mikrocontroller sowie die interne Verkabelung zu Button und LED sichtbar macht.

Vom Konzept zum Erlebnis

Die zentralen Abläufe des Systems wurden prototypisch umgesetzt, um sowohl die Systemlogik als auch den konkreten Nutzungsablauf in ihrer technischen und erlebbaren Umsetzbarkeit zu validieren. Dazu gehört die Aktivierungsgeste des Systems – das Ablegen des Smartphones im Solace-Dock – sowie die durch diese Geste initiierte, projizierte und körperlich beeinflussbare Szene.

Für die Aktivierungslogik des Solace-Docks wurde ein Mikrocontroller ESP32 mit einer LED und einem Mikrotaster verkabelt und in einem 3D-gedruckten Gehäuse untergebracht, das speziell angefertigte Slots für den Button und die LED-Anzeige enthält. Durch das Auflegen des Smartphones wird ein START-/STOP-Signal an den Computer übermittelt, um die Session auszulösen bzw. beim Abnehmen des Smartphones zu beenden.

Die technische Umsetzung der visuellen und auditiven Atmosphäre erfolgte im Rahmen des Bachelorprojekts mit Arduino IDE und. TouchDesigner. Eine lavalampenartige, abstrakte Szene mit begleitender Rauschkulisse bildet den visuellen und auditiven Kern der Erfahrung. Die Bewegungseinflüsse der Nutzenden werden über eine Kinect V2 erfasst und in TouchDesigner sanft auf verschiedene Parameter der Szene übertragen, etwa Bewegungsrichtung, strukturelle Veränderungen und Klangfilterung. Das vom Arduino ausgelöste Signal dient als Trigger für den Beginn und das Ende der Szene innerhalb von TouchDesigner.

Auf diese Weise wird die physische Handlung des Ablegens unmittelbar in eine atmosphärische Veränderung im Raum übersetzt, sodass der Übergang von Arbeit zu Freizeit sowohl technisch als auch emotional nachvollziehbar wird. Zur vollständigen, visuell überzeugenden Präsentation des Systems wurden außerdem die Solace-Stage und der Solace-Scentplug als 3D-Modelle erstellt und mit einem 3D-Drucker gefertigt.

Foto einer 3D-gedruckten Darstellung der Solace-Stage: beige, ovale Basis mit ausgefahrener, länglicher Erweiterung, in der ein schwarzes Kinect V2-Sensorgerät integriert ist, türkisfarbene Unterseite und ein Stromkabel; abgelegt auf einem weißen Tisch vor einer hellen Wand.

Hinweis: Einzelne Visualisierungen dieses Artikels wurden mithilfe des KI-Tools Google Gemini erstellt.