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Wer heute das (mehr oder weniger) weitläufige Grundstück des Campus Dieburg betritt, geht auf einem Gelände, das ursprünglich als ein strategisches Zentrum der deutschen Infrastruktur geplant war. Die Geschichte des Standorts begann im Wintersemester 1968/69, als die Deutsche Bundespost die Ingenieur-Akademie Dieburg eröffnet hat. Da staatliche Hochschulen den Bedarf an Nachrichtentechnikern für das wachsende Fernmeldenetz nicht mehr decken konnten, errichtete die Post hier ihre eigene Akademie. Mit 14 hochmodernen Laboren und einer Architektur, die mit ihren Glasgängen und Lichthöfen amerikanischen Vorbildern folgte, war das Bauwerk eine für seine Zeit technisch und baulich beeindruckende Erscheinung.

Mediencampus Dieburg
Quelle: Hochschule Darmstadt

Das studentische Leben war damals wie in einem kleinen, unabhängigen Dorf organisiert. Besonders prägend waren die über 60 Meter hohen Wohntürme, in denen neben den Studentenwohnheimen auch eine eigene Diskothek und sogar ein Schwimmbad untergebracht waren. Es ging jedoch auch sehr streng zu: In den ersten Jahren herrschte eine strikte Geschlechtertrennung, und Aufpasser patrouillierten nachts auf den Gängen, um die Einhaltung der Regeln zu überwachen. Erst 1972 wurden Frauen endlich offiziell zum Studium zugelassen, was langsam das Ende der strengen Kontrollen einläutete.

Eine architektonische Kuriosität, die bis heute den Campus prägt, ist die 1971 fertiggestellte Aula. Das Projekt geriet bundesweit in die Schlagzeilen und Kritik des Bundesrechnungshofes, da die Baukosten auf 5,6 Millionen DM explodierten. Mit italienischem Marmor, Kronleuchtern aus Muranoglas und edlen Kirschbaum-Verkleidungen ausgestattet, wurde das Gebäude im Volksmund bald als „Steinmetz-Denkmal" verspottet, benannt nach dem damaligen Post-Staatssekretär Hans Steinmetz.

Nach der Privatisierung der Bundespost in den 1990er-Jahren verlor die neu gegründete Deutsche Telekom AG das Interesse an einer eigenen Hochschule. Im Jahr 2000 übernahm das Land Hessen das Gebäude für einen symbolischen Preis von einem Euro und gliederte es als zweiten Standort in die Hochschule Darmstadt ein. Aus den ehemaligen Nachrichtentechnik-Laboren entwickelte sich in den folgenden Jahren der Mediencampus, der massiv von der (damals noch hochmodernen) vorhandenen technischen Infrastruktur profitierte.

In dieser Aufbruchstimmung wurde im Wintersemester 2001/2002 unser Studiengang Onlinejournalismus als Diplom-Studiengang mit acht Semestern Regelstudienzeit gegründet. Es war eine direkte Antwort auf die digitalen Herausforderungen, die das Internet an den Beruf stellte. Das Ziel war eine praxisnahe, crossmediale Ausbildung. Im ersten Jahr gab es auf 40 Studienplätze bereits 286 Bewerbungen. Vier Jahre später, im Jahr 2005, folgte mit Wissenschaftsjournalismus ein zweites journalistisches Standbein. Doch dieser Studiengang hielt sich nur bis 2014 und wurde dann wieder eingestellt.

Die journalistische Ausbildung am Campus zeichnete sich über die Jahrzehnte hinweg durch einen starken praktischen Bezug aus. Student*innen produzierten beispielsweise aufwendige iPad-Magazine, in denen sie lernten, interaktive Grafiken und Videos in redaktionelle Formate einzubinden. Auch regionale Themen wurden medial verarbeitet, etwa in zahlreichen Filmprojekten über den Dieburger Marktplatz, der auch heute noch das erste Ziel für den Videokurs ist. In professionellen TV- und Radiostudios entstanden jahrelang qualitative Beiträge, wobei Projekte wie das Sendeformat ZeitraumTV lange Zeit eine Beliebtheit des Mediencampus waren, bevor auch dieses schließlich Teil der Campus-Historie wurden.

Ein hochemotionaler Meilenstein der jüngeren Geschichte war das Jahr 2012, als die mittlerweile baufälligen und asbestbelasteten Wohntürme abgerissen wurden. Dieser Rückbau der einstigen Wahrzeichen wurde von Onlinejournalismus-Student*innen in einem eigenen Abrissblog dokumentarisch begleitet. Wo früher die Türme standen, entstanden später weitere neue Wohnungen.

Heute hat sich der Fachbereich Media zu einer diversen Gemeinschaft mit 13 Studiengängen entwickelt. Zum 25. Jubiläum des Studiengangs Onlinejournalismus zeigt sich ein Campus, der den Wandel von der technischen Ausbildung der Post-Ära hin zu einer modernen Medienproduktion erfolgreich vollzogen hat. Trotz des historischen Settings der 1960er Jahre ist der Standort mittlerweile in der digitalen Gegenwart angekommen und bleibt ein Ort, an dem hoffentlich auch weitere 25 Jahre die Zukunft des Journalismus aktiv mitgestaltet wird.

Jan Wilewald