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Dr. Korbinian Klinghardt hat den Studiengang Onlinejournalismus drei Semester lang als Vertretungsprofessor unterstützt. Jetzt wechselt er an die Hochschule Ansbach. Im Gespräch blickt er auf seine Erfahrungen in Dieburg zurück.

Was nehmen Sie aus Ihrer Zeit an der h_da persönlich mit? 

Es gab sehr viele schöne Erlebnisse. Also zum einen der kollegiale Zusammenhalt und die Unterstützung, die ich erfahren habe, das war wirklich großartig. 

Zum anderen sind es aber die alltäglichen Begegnungen mit den Studierenden. Ich habe ganz große Freude daran, wenn ich einen Teil dazu beitragen kann, dass sich Menschen persönlich und fachlich entwickeln können. Außerdem finde ich es jedes Mal schön, wenn man am Ende eines Semesters diese Entwicklung auch sieht: Wenn Studierende zum Beispiel eine Hausarbeit zu einem Thema geschrieben haben, mit dem sie sich vorher noch nie beschäftigt haben. Wenn sie danach in der Lage sind, korrekt und wissenschaftlich arbeiten zu können, womit sie vorher vielleicht noch Schwierigkeiten hatten. Oder wenn sie einen journalistischen Beitrag in einem bestimmten Format entwickeln, wie einen True Crime Podcast zum Beispiel. Das sind so die Momente, die mich dann in meiner Arbeit am meisten glücklich machen.

Was werden Sie denn vermissen?

Ich hatte im letzten Wintersemester mehrere Studierende, die ich in mindestens vier Kursen hatte. Da ist es natürlich schade, dass man da sozusagen die Verbindung zu diesen Menschen verliert, aber das ist natürlich auch Teil unserer Arbeit. Ansonsten werde ich meine großartigen Kolleginnen und Kollegen vermissen und die Gespräche, die ich mit ihnen führen konnte und auch den Mediencampus Dieburg.

Was konnten Sie in Ihrer Zeit am Mediencampus lernen?

Ich konnte ganz viel im Bereich Didaktik für mich selbst mitnehmen. Ich komme von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, da sind die Lehrveranstaltungen deutlich kürzer als hier an der Hochschule Darmstadt und das war etwas, was ich lernen konnte: Lehrveranstaltungen für deutlich mehr Lehrzeit zu planen und umzusetzen. Wie denken junge Menschen? Was fasziniert junge Menschen am Journalismus? An welchen Themen arbeiten sie? Was beschäftigt sie? Das hat mich auch vorangebracht. Unter anderem auch, weil wir hier an der Hochschule Darmstadt einen super internationalen Campus haben mit 30 Prozent internationalen Studierenden. Da die unterschiedlichsten Perspektiven auf öffentliche Kommunikation zu erfahren und unterschiedliche Meinungen kennenzulernen: Das war für mich eine spannende Erfahrung.

Warum haben Sie sich für den Wechsel nach Ansbach entschieden? 

Einer der Gründe ist natürlich die berufliche Weiterentwicklung. Gerade im akademischen Bereich macht es Sinn, sich unterschiedliche Hochschulen und Universitäten anzuschauen, um mit unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten, sei es im Professorium oder mit den Studierenden, um sich selbst fachlich und persönlich weiterzuentwickeln. Da war jetzt die Möglichkeit, eben aus dieser Vertretungsprofessur in eine ordentliche Professur zu wechseln. Das heißt, man kann seiner Leidenschaft weiter nachgehen und noch mal neue Arbeitsweisen und Menschen kennenlernen und ich bin ein Stück näher an meiner bayerischen Heimat.

Was erhoffen Sie sich für Ihre eigene Zukunft?

Ich hoffe, dass ich weiterhin tolle und engagierte Studierende habe, so wie ich sie in Darmstadt hatte und dass ich viele junge Menschen für Journalismus und Demokratie begeistern kann. Ich hoffe, dass ich Studierenden die Relevanz von gutem Journalismus für unser demokratisches Zusammenleben vermitteln kann. Und dass ganz viele Menschen in unserem Studienfach realisieren, wie notwendig es heute ist, als Journalistinnen und Journalisten zu arbeiten, angesichts von Fake News und Falschinformationen.

Gibt es etwas, das man am Studiengang ändern könnte? 

Ich glaube, dass Sie wirklich sehr, sehr gut ausgebildet werden. Sie haben einen starken Fokus auf praktische Journalismusausbildung, was wunderbar ist, weil Sie mit jedem mithalten können, der ein klassisches redaktionelles Volontariat absolviert hat. Ich finde es großartig, dass Sie zusätzlich an Sprachkursen teilnehmen können und sich auch mit Wissenschaft und wissenschaftlichem Arbeiten auseinandersetzen. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, mit Daten umzugehen und Statistiken interpretieren zu können. Deswegen denke ich, dass Sie mit dem Studiengang, so wie Sie ihn jetzt hier vorfinden, sehr gut auf Ihren zukünftigen Beruf vorbereitet werden.

Wie sehen Sie die Zukunft von diesem Studiengang?

Ich glaube, dass der Studiengang eine ganz großartige Zukunft vor sich hat, weil hier der Bedarf an Informationsprofis immens hoch ist und ich glaube, dass sie gerade hier auch einen wunderbaren Medienstandort haben, mit relativer Nähe zu Frankfurt und Mainz. Sie können als Studierende wunderbar aus dem Pool an großartigen Medienunternehmen schöpfen, bei denen Sie Praktika machen. Dementsprechend glaube ich, dass Sie mit dem Studiengang für die nächsten 25 Jahre bestens vorbereitet werden.

Letzte Frage: Wären Sie offen dafür, wiederzukommen?

Ich komme auf alle Fälle wieder. Ich habe vor, zur 25-Jahr-Feier zu kommen. Ich werde mit Sicherheit mit allen Kolleginnen und Kollegen weiter im Austausch bleiben und ich freue mich natürlich auch von den Studierenden zu hören. Man freut sich immer, wenn man nach einer gewissen Zeit wieder mal eine Mail von den Studierenden bekommt, die sagen: „ich bin jetzt dort untergekommen“, oder „ich mach das beruflich“. Das ist immer eine großartige Sache. In diesem Sinne bin ich optimistisch, dass wir uns alle weiterhin irgendwie sehen und in Kontakt bleiben.

Interview: Randy Mehlinger