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Radiologie neu gedacht

Fachbereich Media Projekte Onlinekommunikation 3. Fachsemester

Von der Lernagentur ins echte Projekt

geschrieben von Teresa Kim Ngan Nguyen

  • Lernagentur: Digitalstrategie
  • WiSe 2025/26, 3. Fachsemester
  • Prof. Dr. Patricia Bliemeister & Simon Kunisch

Im dritten Semester hatten wir die Möglichkeit, im Rahmen unserer Lernagentur ein reales Kundenprojekt umzusetzen,  für die Radiologie Main Park Center. Statt nur theoretische Konzepte zu entwickeln, durften wir eine echte Praxis dabei unterstützen, ihre Social-Media-Präsenz strategisch aufzubauen und gleichzeitig ihr Recruiting gezielt zu verbessern.

Mit dem Projekt wollten wir die digitale Sichtbarkeit der Radiologie erhöhen und ihr Recruiting gezielt auf qualifizierte Fachkräfte ausrichten.

Die Ausgangssituation

Die Radiologie war online bisher nur wenig präsent und wollte ihre digitale Kommunikation professionalisieren. Gleichzeitig bestand im Recruiting die Herausforderung, dass zwar Bewerbungen eingingen, diese jedoch häufig nicht den gewünschten Qualifikationen entsprachen.

Unsere Aufgabe bestand daher nicht nur darin, ansprechenden Content zu gestalten, sondern ein durchdachtes Gesamtkonzept zu entwickeln, das Sichtbarkeit, Vertrauen und Arbeitgeberattraktivität miteinander verbindet.

Analyse als strategische Grundlage

Bevor wir mit der kreativen Umsetzung begonnen haben, stand eine fundierte Analysephase im Fokus. Wir haben untersucht, wie andere Radiologien Social Media nutzen, welche Inhalte besonders gut funktionieren und welche Erwartungen sowohl Patient:innen als auch potenzielle Bewerber:innen an medizinische Accounts haben.

Dabei zeigte sich deutlich, dass Team-Content besonders stark performt, ebenso wie Reels und Videoformate, die persönliche Einblicke ermöglichen. Auch verständlich erklärte medizinische Themen – beispielsweise Unterschiede zwischen MRT und CT oder der Einsatz von KI in der Diagnostik – erzeugen hohe Aufmerksamkeit, sofern sie nahbar und seriös vermittelt werden.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass medizinische Inhalte auf Social Media durchaus gefragt sind, sofern sie verständlich, seriös und authentisch aufbereitet werden. Eine künstliche oder stark werbliche Darstellung wirkt hingegen eher abschreckend.

Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für unser weiteres Vorgehen.

Unser Social-Media-Konzept für Instagram

Für Instagram entwickelten wir ein strukturiertes Content-Konzept mit wiederkehrenden Formaten, um dem Account eine klare Linie und einen hohen Wiedererkennungswert zu geben.

Zu unseren Formaten gehörten unter anderem:

„Wusstest du schon, dass…“ – ein Aufklärungsformat, das medizinische Themen verständlich erklärt, z. B. den Unterschied zwischen MRT und CT in kurzen Reels mit Mitarbeitenden aus der Praxis

„Ich bin ein…“ – eine kreative Vorstellung medizinischer Geräte, bei der beispielsweise das MRT-Gerät selbst „spricht“ und seine Funktion erklärt

„Scan-dalös gut vorbereitet“ – ein FAQ-Format rund um Untersuchungen und Abläufe, etwa zur Frage, wie eine Kernspintomographie abläuft oder was Patient:innen beachten sollten

„Diagnose: Wahrheit“ – Mythenaufklärung im radiologischen Kontext, z. B. zur Strahlenbelastung oder zu typischen Missverständnissen

„Durchleuchtet: Unser Team“ – persönliche Einblicke in das Praxisteam mit kurzen Video-Statements einzelner Mitarbeitender

„Unsere Praxis im Röntgenblick“ – authentische Eindrücke aus dem Arbeitsalltag im Sinne des Employer Brandings

Alle Beiträge wurden bewusst im einheitlichen 9:16-Format für Reels bzw. im abgestimmten Feed-Format gestaltet, um ein ruhiges, konsistentes Gesamtbild im Profil zu erzeugen. Farbwelt, Typografie (Garamond & Open Sans) und Gestaltungselemente wurden dabei klar definiert und konsequent eingesetzt, um Professionalität und Wiedererkennbarkeit sicherzustellen.

Content-Produktion direkt vor Ort

Ein zentraler Bestandteil des Projekts war die Content-Produktion in der Praxis selbst. Wir waren vor Ort, haben Foto- und Videomaterial erstellt und Einblicke in den realen Arbeitsalltag gesammelt.

Konkret entstanden dabei unter anderem:

- Reels mit Mitarbeitenden zur Erklärung medizinischer Abläufe

- Videoaufnahmen direkt am MRT-Gerät

- Teamvorstellungen mit persönlichen Kurzstatements

- visuelle Einblicke in Behandlungsräume und Arbeitsprozesse

Diese direkte Zusammenarbeit war entscheidend, um authentischen Content zu produzieren, der nicht inszeniert wirkt, sondern die Menschen und Abläufe realistisch widerspiegelt.

Für uns war dieser Schritt besonders wertvoll, da wir den gesamten Prozess von der Konzeption bis zur Umsetzung eigenständig begleiten konnten.

Erste Ergebnisse: Sichtbarkeit, die messbar ist

Besonders spannend war für uns zu sehen, dass das Konzept nicht nur theoretisch funktioniert, sondern bereits in kurzer Zeit konkrete Ergebnisse erzielt hat.

Innerhalb von einigen Wochen konnten wir:

- über 12.000 Aufrufe generieren

- mehrere tausend Konten erreichen

- einen deutlichen Anstieg der Profilaufrufe verzeichnen

- über 100 neue Follower gewinnen

Besonders die Reels-Formate haben stark performt und maßgeblich zur Reichweitensteigerung beigetragen. Auch die Interaktionsrate entwickelte sich positiv, was zeigt, dass die Inhalte nicht nur konsumiert, sondern aktiv wahrgenommen wurden.

Im Recruiting-Kontext zeigte sich zudem, dass der Ansatz „Weniger Masse, mehr Qualität“ sinnvoll ist: Ziel war es nicht, möglichst viele Bewerbungen zu generieren, sondern qualifizierte Fachkräfte gezielt anzusprechen und die Arbeitgebermarke professionell zu positionieren.

Diese Entwicklung macht deutlich, dass eine klare Strategie, wiederkehrende Formate und authentischer Content bereits in kurzer Zeit Wirkung zeigen können.

Fazit

Das Projekt hat uns gezeigt, wie viel mehr hinter Social Media steckt als nur regelmäßiges Posten. Gerade im Gesundheitsbereich braucht es ein klares Konzept, ein gutes Gespür für Tonalität und vor allem ein tiefes Verständnis für Zielgruppe, Positionierung und Vertrauen.

Besonders deutlich wurde für uns, dass Social Media hier nicht nur der Patient:innenkommunikation dient, sondern gleichzeitig ein wirkungsvolles Instrument für Employer Branding und fachliche Positionierung sein kann – sowohl auf Instagram als auch perspektivisch auf LinkedIn.

Für uns war es besonders wertvoll zu erleben, dass unsere strategischen Überlegungen in der Praxis tatsächlich funktionieren und messbare Ergebnisse erzielen können. Von der Analyse über die Konzeption bis hin zur Content-Produktion vor Ort haben wir den gesamten Prozess eigenständig begleitet und dabei nicht nur fachlich, sondern auch als Team enorm dazugelernt.

Genau diese Verbindung aus Strategie, Kreativität und echter Praxiserfahrung macht das Projekt für uns zu einem der prägendsten Bestandteile unseres bisherigen Studiums.