Afterglow
Afterglow macht soziale Präsenz über räumliche Distanz hinweg durch kleine gemeinsame Momente spürbar.
Ein Studienprojekt von: Erisa Behluli
4. Semester, 2026
Dozierende:
Sebastian Haase, Tanja Hakl, Andrea Krajewski, Romina Marsico, Tsunemitsu Tanaka
Produkt Video
Das Produkt in Aktion
Das Produktvideo demonstriert die zentralen Interaktionen von Afterglow in realistischen Arbeitssituationen. Es zeigt die Gesten, Lichtsignale sowie die Kommunikation zwischen zwei Artefakten und vermittelt die Idee gemeinsamer Präsenz über räumliche Distanz hinweg.
Wenn Zusammenarbeit räumlich wird
Die Arbeitswelt hat sich verändert. Teams arbeiten heute verteilt – von zu Hause, aus dem Büro, im Coworking Space oder unterwegs. Digitale Werkzeuge ermöglichen produktive Zusammenarbeit über große Distanzen hinweg.
Dabei gehen jedoch viele kleine soziale Momente verloren. Ein kurzer Blick, ein spontanes Lächeln oder das gemeinsame Feiern eines kleinen Erfolgs entstehen im hybriden Arbeitsalltag nur noch selten.
Afterglow untersucht, wie sich diese Momente der Verbundenheit durch ruhige, physische Interaktionen wieder erlebbar machen lassen.
Eine gemeinsame Ebene der Präsenz
Afterglow ist ein relationales Schreibtischobjekt, das kleine Momente sozialer Präsenz zwischen räumlich getrennt arbeitenden Menschen körperlich erfahrbar macht. Durch Berührung, Licht und gegenseitige Reaktionen entstehen ruhige Rituale für Fortschritt, Check-ins und gemeinsame Pausen.
Anstatt ein weiteres Kommunikationstool zu schaffen, ergänzt Afterglow bestehende Arbeitsumgebungen um eine physische Ebene der Verbundenheit. Die Interaktionen bleiben bewusst reduziert, intuitiv und nicht störend.
Die Gestaltung basiert auf drei zentralen Prinzipien:
• Präsenz statt Kommunikation
• Rituale statt Funktionen
• Gemeinsame Momente statt Unterbrechungen
So funktioniert Afterglow
Drei Gesten. Drei gemeinsame Momente
Afterglow nutzt einfache Berührungsgesten, die bewusst ohne Display oder komplexe Benutzeroberflächen auskommen. Jede Geste löst ein ruhiges Lichtsignal aus und vermittelt eine soziale Absicht statt einer Nachricht.
• Fortschritt feiern – Ein kleiner Erfolg wird sichtbar und gemeinsam wahrgenommen.
• Quick Check-in – Eine ruhige Einladung signalisiert: „Ich denke gerade an dich.“
• Gemeinsame Pause – Ein kurzer Moment außerhalb des Arbeitsflusses schafft Verbindung ohne Unterbrechung.
Die Signale werden direkt zwischen zwei Artefakten übertragen und schaffen eine zusätzliche Ebene der Präsenz – unabhängig davon, wo beide Personen arbeiten
Von der Forschung zu Gestaltungsprinzipien
Afterglow entstand aus der Auseinandersetzung mit verteilter Zusammenarbeit, Embodied Interaction und sozialer Präsenz. Die Forschung zeigte, dass im digitalen Arbeitsalltag vor allem die kleinen, spontanen Momente gemeinsamer Präsenz verloren gehen.
Im Zentrum des Projekts stehen deshalb mikro-synchrone Momente – kurze gemeinsame Interaktionen, die Präsenz sichtbar machen, Intentionen vermitteln und soziale Verbundenheit stärken.
Aus diesen Erkenntnissen wurden sieben Gestaltungsprinzipien abgeleitet. Sie bilden die Grundlage für Form, Interaktion und Verhalten des Artefakts.
Afterglow ergänzt digitale Zusammenarbeit nicht durch mehr Kommunikation, sondern durch eine neue Ebene physischer sozialer Präsenz.
Vom digitalen Modell zum physischen Artefakt
Die Entwicklung von Afterglow begann vollständig als dreidimensionales Produktmodell in Blender. Form, Proportionen und Interaktion wurden iterativ entwickelt, bis ein ruhiges Schreibtischobjekt entstand, das sich selbstverständlich in unterschiedliche Arbeitsumgebungen einfügt.
Besondere Aufmerksamkeit galt der Gestaltung der einzelnen Komponenten. Smartphone-Slot, Touch-Insel und Lichtpfad wurden als zusammenhängende Produktsprache entwickelt und verbinden Funktion mit einer klaren gestalterischen Identität.
Nach der digitalen Konstruktion wurden sämtliche Bauteile im 3D-Druck gefertigt und anschließend zum finalen Prototypen montiert. Mehrere Iterationen ermöglichten es, Proportionen, Haptik und Zusammenspiel der einzelnen Elemente kontinuierlich zu verfeinern.
Vom ersten digitalen Modell bis zum fertigen Prototyp entstand Afterglow vollständig als iterativer Design- und Entwicklungsprozess.
Technische Umsetzung
Direkte Kommunikation zwischen zwei Artefakten
Afterglow verbindet zwei physische Artefakte in Echtzeit. Jedes Objekt besteht aus einem ESP8266-Mikrocontroller, einem kapazitiven Touch-Sensor und einem adressierbaren LED-Lichtstreifen. Berührungen werden erkannt und unmittelbar in Lichtsignale übersetzt.
Die Kommunikation erfolgt über ESP-NOW, ein direktes Funkprotokoll von Espressif. Dadurch können beide Artefakte ohne Server oder Cloud nahezu verzögerungsfrei miteinander kommunizieren und gemeinsame Interaktionen synchron ausführen.
Die gesamte Interaktionslogik wurde mit dem Arduino Framework entwickelt. Gestenerkennung, drahtlose Kommunikation und Lichtanimationen greifen nahtlos ineinander, während die Technik bewusst im Hintergrund bleibt.
Technologie wird dabei nicht sichtbar – sondern schafft den Raum für ruhige zwischenmenschliche Momente.
Dokumentation
Der vollständige Entwicklungsprozess
Die Projektdokumentation begleitet den gesamten Entwicklungsprozess von Afterglow – von den ersten Forschungsfragen über die Konzept- und Gestaltungsentwicklung bis hin zur technischen Umsetzung und Evaluation des finalen Prototyps.
Sie dokumentiert die theoretischen Grundlagen, qualitative Forschung, Designentscheidungen, Iterationen, den 3D-Entwicklungsprozess, die technische Realisierung sowie die Ergebnisse des Usability-Tests und gibt einen umfassenden Einblick in die Entstehung des Projekts.