Direkt zum Inhalt Skip to maincontent Direkt zum Footer Skip to footercontent

Embr

Projekte User Experience Design 2. Fachsemester

Embr ist ein interaktiver Service bei Zukunftsunsicherheit. Mit dem Neandertaler als evolutionärem Wegbegleiter für Anpassung übersetzt die App persönliche Klimasorgen in konkrete, lokal umsetzbare Handlungsschritte.

Ein Studienprojekt von: Pavarana Decha, Sandra Girschick und Julian Juelich

2. Semester, 2026

Betreuende Dozierende: Prof. Sebastian Haase, Prof. Andrea Krajewski, Dieter Stasch


Themeneinführung

Wenn Wissen nicht in Handeln übersetzt wird

Viele Menschen sind über Klimawandel, Krisen und gesellschaftliche Veränderungen informiert. Trotzdem führt dieses Wissen nicht automatisch zu Handlung. Häufig entstehen Überforderung, Vermeidung und das Gefühl, als Einzelperson nichts bewirken zu können. In der Psychologie spricht man hier von einer „informierten Zukunftsunsicherheit“: Das Problem ist nicht mangelndes Wissen, sondern dass die Flut an Informationen zur mentalen Lähmung führt.

Unsere Interviews mit sieben Personen haben gezeigt, dass besonders die „Ruhigen Sorgenmacher“ für Embr relevant sind. Diese primäre Zielgruppe haben wir im Rahmen unserer Nutzerrecherche herausgefiltert. Sie tragen eine echte, aber leise Sorge mit sich, meiden das Thema im Alltag jedoch eher und bleiben dadurch am ehesten passiv.

Embr setzt genau dort an: Die App nimmt persönliche Klimasorgen ernst und macht daraus den nächsten konkreten, lokal umsetzbaren Handlungsschritt.

Die Polaritätsanalyse der sieben Interview-Partnern.
Abb. 1: Polaritätsanalyse
Der Homescreen, bei welchem man seine Sorgen eintragen kann.
Abb. 2: Der Homescreen

Die Lösung im Detail

Der Neandertaler als evolutionärer Guide

Embr vergleicht die heutige Lage der Menschheit im Klimawandel mit der Anpassungsfähigkeit des Neandertalers an extreme Umweltveränderungen. Der Neandertaler war eine Spezies, die sich evolutionär nur teilweise anpassen konnte. Diese doppelte Lehre ist das Fundament der App. Während der Neandertaler damals durch passive Klimainstabilität und demografische Isolation unverschuldet ausstarb, leben wir heute in einer Zeit aktiver Klimainstabilität. Wir haben präzise Frühwarnsysteme, scheitern aber an sozialer Fragmentierung. Der evolutionäre Vergleich zeigt den Nutzenden: Wandel ist kein Weltuntergang, sondern ein notwendiges Werkzeug zum Überleben.

Nutzende geben ihre persönlichen Ängste oder Sorgen als Freitext ein. Embr ordnet diese Eingabe in einen evolutionären Kontext ein und übersetzt die globale Krise in konkrete, zeitlich und lokal umsetzbare Handlungsvorschläge.

Ein Neandertaler-Maskottchen begleitet als ruhiger, klarer „Krisen-Notfallarzt“ durch die App: einordnend statt belehrend, ernst statt alarmistisch.
 

Zur Vernetzung gehört außerdem eine Gemeinschaftsfunktion. Unter dem Reiter „Menschen wie du“ finden Nutzende lokale Initiativen in ihrer Nähe, von Pflanzaktionen über Klimagespräche bis hin zu gemeinschaftlichen Säuberungsaktionen, übersichtlich dargestellt mit Kartenausschnitt, Termin und einer kurzen Beschreibung.

Um die Qualität und Verlässlichkeit dieser Angebote zu sichern, dockt Embr als Service an verifizierte Partner wie öffentlich-rechtliche Medien (z. B. die Hessenschau), Städte oder Bürgerenergiegenossenschaften an, die die Daten einspielen. Gleichzeitig setzt die Plattform auf ein kontrolliertes Crowdsourcing: Wer möchte, meldet sich mit einem Klick direkt an oder trägt selbst eine neue Initiative im eigenen Umfeld ein. So wird aus den einzelnen Ängsten und Sorgen sichtbar, dass andere Menschen mit denselben Sorgen bereits aktiv geworden sind und dass Handeln nicht allein passieren muss.

Hier kann man "Menschen wie du" finden.
Abb. 3: Screen „Menschen wie du“
Screen wo Neandertaler am Feuer sitzt und erläutert die heutige Situation.
Abb. 4: Screen Vergleichskarte

Was Embr anders macht

Was Embr von klassischen Klima-Apps unterscheidet: Sie liefert keine zusätzlichen Faktenberichte, sondern einen echten Perspektivwechsel. Der Vergleich mit dem Neandertaler macht Zukunftsangst greifbar, ohne sie künstlich zu dramatisieren. Wandel wird als etwas gezeigt, das schlicht zum Überleben gehört.

Ein zentraler Unterschied liegt in der Übersetzung der Sorgen. Jede Angst mündet in konkrete Handlungsvorschläge mit lokalem Bezug, die strikt nach dem verfügbaren Zeitbudget der Nutzenden gefiltert sind. Das System bietet dafür immer exakt drei Stufen an:

  • Heute (5 Minuten für eine schnelle Sofortaktion)
  • Diese Woche (90 Minuten für vertiefende Angebote)
  • Diesen Monat (3 Stunden für echtes Engagement)

Das nimmt den Druck, erfordert kein langes Nachdenken und lädt zu intuitivem Handeln ein. Das Maskottchen ist dabei kein dekoratives Beiwerk, sondern ein durchgängiger Wegbegleiter, der emotionale Nähe schafft, ohne den Zeigefinger zu heben.

Die Umsetzung

Der Prototyp wurde als eigenständige Web-Anwendung aus HTML, CSS und JavaScript umgesetzt, ganz ohne zusätzliches Framework, dafür vollständig responsiv für Smartphone, Tablet und Desktop.

Design: Zwei warme Hauptfarben tragen den Charakter der App. Als Primärfarbe für das Interface-Design wurde Terrakotta gewählt und ein erdiges Khaki als Sekundärfarbe. Als Akzent- und Kontrastfarbe dient ein ruhiges Beige, das ein ursprünglich verwendetes Stahlblau ersetzt, wodurch der visuelle Kontrast bewusst reduziert und das Gesamtbild für die Nutzenden optisch beruhigt wird. Der Hintergrund ist warmweiß, als Textfarbe dient ein sehr dunkles Grau, das fast schwarz wirkt, um die Augen zu schonen. Es soll die Ernsthaftigkeit wahren, ohne verspielt zu wirken. Für Überschriften kommt die Serifenschrift Fraunces zum Einsatz, die der App eine ruhige, aber charaktervolle Note gibt. Gemeinsam ergeben Farben und Typografie den ruhigen, aber handlungsorientierten Charakter der Anwendung.

Die inhaltliche Analyse der Freitexte ist im Prototyp aktuell simuliert: Nach der Eingabe zeigt die App vorbereitete, aber realistisch wirkende Beispiel-Inhalte. Die Anwendung läuft vollständig im Frontend, ein echtes Backend existiert in dieser Phase noch nicht.

Das Testing

Der Usability-Test des Papierprototyps mit vier Testpersonen zeigte, dass die Funktion zum Teilen von Social-Media-Inhalten in die App ohne Erklärung nicht verstanden wurde. Die Testpersonen stolperten über den abrupten Medienbruch. Genau aus diesem Feedback heraus haben wir das Onboarding mit dem Neandertaler als Wegbegleiter entwickelt, das neue Nutzende nun Schritt für Schritt abholt und durch Eingabe, Einordnung und die zeitbasierten Handlungsvorschläge führt.

Da im Rahmen des Semesters die funktionale und visuelle Konzeption im Vordergrund stand, sind umfassende Langzeittests zur Motivationswirkung des Neandertaler-Konzepts sowie die echte technische Backend-Anbindung an eine Live-Datenbank in dieser Phase noch offen. Sie bilden die logischen nächsten Schritte für eine zukünftige Weiterentwicklung des Projekts.

Man sieht die Teil-Funktion im Paper-Prototype.
Abb. 4: Papierprototyp

Unser Produktvideo

Embr – Aus Sorge wird Handlung