Flip Forst
Die digitale Plattform FlipForst für waldbezogenen Sachkundeunterricht in der Grundschule. Lehrkräfte planen entspannt und strukturiert, während Schulkinder die Lernerfahrungen mit nach Hause nehmen.
Ein Studienprojekt von Tim Kissel, David Krüger, Amelia Lesna
2. Semester, 2026
Dozierende: Prof. Andrea Krajewski, Prof. Sebastian Haase, Dieter Stasch, Tomas Zebis
Sachkunde und die Rolle der Lehrkräfte
Für viele Lehrkräfte an Grundschulen ist die zunehmende Digitalisierung ein Gewinn. Sie können auf ein sehr vielfältiges Angebot an Arbeitsmaterialien zurückgreifen, während gleichzeitig die Möglichkeiten für digitalen Unterricht wachsen. Doch dieses übermäßige Angebot hat auch eine Kehrseite: Durch die unzähligen Webseiten ist die Recherche oft überfordernd und zeitraubend. Hinzu kommt, dass viele Materialien fehlerhaft sind, sich nicht bearbeiten lassen oder keine nachvollziehbaren Quellenangaben aufweisen.
Diese Problematik wird gerade im Sachunterricht spürbar. Während die Lerninhalte in Fächern wie Deutsch oder Mathematik weitgehend feststehen, ist der Gestaltungsspielraum im Sachunterricht bewusst groß gehalten. Lehrkräften wird dieser Freiraum überlassen, um fachübergreifende Kompetenzen, regionale Besonderheiten oder aktuelle Themen flexibel behandeln zu können. Genau hier entsteht jedoch der Konflikt: Die große Gestaltungsfreiheit in Kombination mit dem unübersichtlichen Online-Angebot macht die gezielte Unterrichtsvorbereitung zunehmend schwieriger.
Idee
Was bräuchte es also, um Lehrkräfte in dieser Ausgangslage zu unterstützen und die Unterrichtsvorbereitung ohne Überforderung zu bewältigen? Und wie kann man Schulkinder dazu motivieren, sich auch zu Hause weiter mit den Inhalten zu beschäftigen?
Der Gedanke ist, Lerninhalte an einem einzigen Ort zu bündeln, von digitalen Arbeitsblättern über Bastelmaterialien bis hin zu Exkursionsvorschlägen. Um den Rahmen des Projektes nicht zu sprengen und gleichzeitig beim Semesterthema der „wehrhaften Natur“ zu bleiben, wurde der Fokus auf die Konzeption des waldbezogenen Sachunterrichts gelegt.


Das Konzept FlipForst
Genau hier setzt FlipForst an. Auf der digitalen Plattform finden Lehrkräfte einen umfassenden, zentralen Bestand an Unterrichtsmaterialien. Sie können die Inhalte nicht nur speichern, sondern in der Werkstatt flexibel bearbeiten und den Schulkindern direkt bereitstellen. Durch einen klasseninternen Code erhalten die Schülerinnen und Schüler Zugang zu einem Arbeitsbereich mit den, von der Lehrkraft, zusammengestellten Arbeitsmaterialien. Auch abseits des Unterrichts ermöglicht die Plattform den Schülerinnen und Schülern selbstständig weiterzuforschen, Lernspiele zu entdecken oder neue Ausflugsziele zu finden. Der Kern der Anwendung setzt jedoch bei der Unterrichtsvorbereitung der Lehrkraft an. Da sie den Unterricht steuert und gestaltet, erzielt die Plattform dort den größten Effekt. Sie entlastet die Lehrenden spürbar, sodass mehr Raum für die individuelle Begleitung der Kinder bleibt.
Strukturierung und Qualitätssicherung
Alle Inhalte sind als eigenständige Lernbausteine konzipiert und mit standardisierten Metadaten wie Klassenstufe oder Medium versehen. Über die Bibliothek lassen sich diese Bausteine gezielt filtern und flexibel nutzen. Um sich von bestehenden Plattformen abzuheben und fehlerhafte Materialien konsequent auszuschließen, etabliert FlipForst eine Qualitätssicherung. Bevor Inhalte veröffentlicht werden, durchlaufen sie ein Peer-Review durch ein Fach- und Didaktikteam, welches die fachliche Richtigkeit prüft. Die Idee für diesen Prüfprozess basiert auf dem Peer-Review-Verfahren, das im Rahmen des Semesters nach Präsentationen durchgeführt wurde. Zudem ist jedes Dokument mit transparenten Quellen versehen. Die zentrale Überlegung für den Fall einer realen Umsetzung des Konzeptes war es, die Qualität und Vertrauenswürdigkeit durch eine Kombination aus dem Peer-Review-Verfahren und einer Kooperation mit einem Bildungsministerium sowie einer Bildungsstiftung offiziell und nachhaltig sicherzustellen. Dieser Prozess wurde im vorliegenden Konzept jedoch nicht implementiert.

User Research und Testing
Um die Bedürfnisse, Ziele und Wünsche der Zielgruppe genau zu verstehen, wurden zu Beginn der Konzeptionsphase vier Interviews geführt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bildeten das Fundament für die Ausarbeitung des Konzeptes, welches anschließend mithilfe von Papierprototypen visualisiert und mit drei Sachkundelehrkräften evaluiert wurde.
Die Tests zeigten deutlich, wie wichtig Lehrkräften ein klar strukturierter Aufbau, schnelle Filteroptionen sowie eine werbefreie Umgebung sind. Um den Datenschutz zu garantieren, wurde bewusst auf Accounts für Schülerinnen und Schüler sowie die Eingabe persönlicher Daten verzichtet.
Basierend auf diesen Anforderungen wurde die Anwendung schließlich als interaktiver Web-Prototyp mit HTML, CSS und JavaScript umgesetzt. Dieser demonstriert die wichtigsten Kernfunktionen des Servicekonzepts und ist für den reibungslosen Einsatz im Unterricht vollständig offline nutzbar.

Beispiel User Flow: Lehrkraft
Schritt 1 (Einstieg): Die Lehrkraft betritt die Plattform, um eine Unterrichtsstunde zum Thema Waldtiere vorzubereiten, und entdeckt fertige Leitfäden auf der Inspirationsseite.
Schritt 2 (Auswahl): Sie entscheidet sich für einen Leitfaden, stellt aber fest, dass ein Arbeitsblatt für das Leistungsniveau ihrer Klasse zu schwer ist. Mit einem Klick überträgt sie das Material in die Werkstatt.
Schritt 3 (Modifikation): In der Werkstatt passt sie die Texte an und vereinfacht die Aufgabenstellung.
Schritt 4 (Abschluss): Sie speichert das modifizierte Material im Ordner ihrer Klasse ab, teilt den generierten Klassencode mit den Schulkindern und beginnt den Unterricht.


Beispiel User Flow: Schulkind
Schritt 1 (Einstieg): Die Lehrkraft teilt den Klassencode im Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler rufen die Seite auf den Schul-Tablets auf, geben den Code ein und landen direkt auf ihrer klasseninternen Oberfläche.
Schritt 2 (Bearbeitung): Die Kinder wählen das aktuelle digitale Arbeitsblatt aus und bearbeiten die Aufgaben selbstständig auf der Plattform.
Schritt 3 (Exploration): Wer vorzeitig fertig wird, nutzt die freie Zeit, um die Seite eigenständig zu erkunden und weitere, von der Lehrkraft freigeschaltete Inhalte zu entdecken.
Schritt 4 (Nutzung nach der Schule): Motiviert durch den Unterricht rufen die Kinder die Seite nachmittags von zu Hause aus noch einmal auf, um ein Lernspiel zu spielen oder die Inhalte weiter zu vertiefen.