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Funkwellen. Wenn Information reist.

Animation einer Welle aus bunten Linien
Projekte User Experience Design 7. Fachsemester

"Wie lässt sich der unsichtbare Übertragungsweg von drahtlosem Datenverkehr im Raum erfahrbar machen, damit er begreifbar wird und im Gedächtnis bleibt?"

Ein Bachelorprojekt von: Nico Schulz
7. Semester, 2026
Referenten: Prof. Tsunemitsu Tanaka, Prof. Andrea Krajewski


Thema
 

Wir schicken jeden Tag Nachrichten, Fotos oder Sprachnachrichten – Ein Wisch, ein Klick – und schon ist die Datei “unterwegs”. Was dabei passiert, bleibt aber unsichtbar: Wie reist Information eigentlich durch den Raum, bevor sie am anderen Ende wieder ankommt? In meinem Bachelorprojekt übersetze ich diesen abstrakten Vorgang in eine begehbare Raum-Erzählung. Besucher sollen den Prozess nicht nur verstehen, sondern körperlich erleben: vom Ausgangsbild über seine Zerlegung, die Übertragung als Welle bis zur Rückübersetzung in die vertraute Form. Im Mittelpunkt steht dabei nicht „Technik erklären um jeden Preis“, sondern die Frage, wie sich ein unsichtbarer Ablauf so gestalten und vermitteln lässt, dass er als Erfahrung nachvollziehbar und begreifbar wird – klar, spannend und erinnerbar.

Outline einer Brieftaube

Ausgangslage: Warum ich Ausstellungen als Medium so interessant finde
 

Ich finde Ausstellungen als Medium vor allem deshalb spannend, weil sie – wenn sie gut konzipiert sind – Inhalte nicht nur erklären, sondern begreifbar machen können. Man liest nicht einfach; man bewegt sich durch eine Geschichte im Raum: Man entdeckt, bleibt stehen, vergleicht, geht weiter – und baut sich Bedeutung Schritt für Schritt selbst zusammen. Genau darin liegt für mich das besondere Potenzial: Ausstellungen können wirksam werden, weil sie mit Raum, Rhythmus, Perspektivwechseln und starken Momenten arbeiten – und damit Verständnis nicht nur kognitiv, sondern als Erfahrung erzeugen.

Was am Ende hängen bleibt, sind oft nicht einzelne Fakten, sondern ein Bild, ein Moment, eine Szene – ein innerer Anker. Wenn es gelingt, abstrakte Inhalte in erfahrbare Übergänge und spürbare Veränderungen zu übersetzen, entsteht Verständnis nicht nur im Kopf, sondern als Erinnerung an etwas, das man selbst erlebt hat. Genau dieses Potenzial wollte ich für ein Thema nutzen, das normalerweise komplett unsichtbar bleibt.

Frau und Mädchen besichtigen eine Ausstellung
Ausschnitt meines Online-Planungstool des Konzeptbaukastens

Der Ansatz: Ein Konzeptbaukasten als Werkzeug
 

Damit die Erkenntnisse aus meiner Research nicht auf der Theorieebene bleiben, habe ich einen Konzeptbaukasten für Ausstellungen entwickelt. Er übersetzt zentrale Prinzipien in ein modulares System aus Bausteinen, Leitfragen und Prüfpunkten, mit dem sich ein Ausstellungskonzept Schritt für Schritt konzipieren lässt: von der Kernidee und dem roten Faden bis zur Frage, wie sich eine Storyline räumlich umsetzen lässt – also welche Szenen, Übergänge und Medienformen den Inhalt so tragen, dass er für Besucher intuitiv nachvollziehbar wird.

Wichtig ist: Der Baukasten ist kein Rezept, sondern Orientierung. Er hilft dabei, Entscheidungen bewusster zu treffen, Zusammenhänge zu prüfen und konsequent aus Besuchersicht zu denken: Was passiert an dieser Stelle? Warum ist das relevant? Was soll hängen bleiben?

Um das Werkzeug auch im eigenen Prozess praktisch nutzbar zu machen, habe ich den Konzeptbaukasten zusätzlich als Web-Anwendung umgesetzt. Die Idee dahinter: Konzeptstände nicht in vielen Einzeldateien verlieren, sondern gesammelt strukturieren und iterativ weiterentwickeln können – damit aus vielen Entscheidungen am Ende ein konsistentes Ausstellungskonzept entsteht.

Im nächsten Schritt wollte ich dann genau mit diesem Werkzeug arbeiten – und es nutzen, um mir Stück für Stück eine eigene, kleine Ausstellung zu entwerfen und als Prototyp umzusetzen.

Anwendung des Konzeptbaukastens:
Funkwellen als „Reise von Information“
 

Der Impuls für das Thema kam nicht aus einem Lehrbuch, sondern aus einem Moment „draußen“: Bei einer Wanderung in der Nähe meiner Heimat stand plötzlich eine riesige Parabolantenne vor mir – Teil einer ehemaligen Bodenstation, die seit einigen Jahren stillgelegt ist. Und damit kam sofort die Frage auf: Wie kommen Bilder und Daten – zum Beispiel von Wettersatelliten – eigentlich auf die Erde?

Je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto klarer wurde: Funkwellen sind nicht nur „ein Technikthema“, sondern eine Grundlage unserer digitalen Gegenwart – von Radio und Fernsehen bis zu Navigation, Telefonie und sonstigen Formen drahtloser Datenübertragung. Genau diese Alltäglichkeit bei gleichzeitig unsichtbarem Prozess macht das Thema so spannend für eine Ausstellung: Es betrifft uns ständig, aber man sieht es nie.

Um es als Vermittlung im Raum greifbar zu machen, habe ich das Thema bewusst erzählerisch eingegrenzt: als einfache, klare Grundidee – Information reist. Sie verändert dabei ihre Form, bleibt aber dieselbe „Botschaft“. Statt technische Details auszubreiten, geht es um eine nachvollziehbare Abfolge, die Besucher durch klare Übergänge und Orientierungspunkte erleben können.

Zwei große Antennenmasten mit eingezeichneten Linien, Profilen, Chats, Verlinkungen etc...
Ausschnitt meiner Funkwellen-Ausstellung. Eine Bescuherin läuft in den Raum mit der projizierten Welle.

Der Prototyp: Ein Prozess, den man Schritt für Schritt durchläuft
 

Der Prototyp ist als durchgehender Ablauf gestaltet: Man betritt den ersten Raum, wird direkt in eine Situation hineingezogen – und verfolgt dann, wie „Information“ ihre Form verändert, weiterwandert und am Ende wieder ankommt. Statt viel zu erklären, macht die Installation den Prozess über sichtbare Übergänge und eine klare räumliche Reihenfolge begreifbar.

Raum 1 - Start: Aufnahme & Zersetzung des Bildes

Gleich zu Beginn entsteht Neugier: Eine große Projektion der Erde aus Satellitenperspektive füllt den Raum – und schnell wird klar, dass man selbst Teil dieses Bildes werden kann. Eine Kamera nimmt ein Foto auf, auf dem der Besucher erscheint. Kurz darauf folgt der erste Bruch: Das Bild beginnt zu zerfallen, löst sich in einzelne Pixel auf und verwandelt sich in einen feinen „Pixelstaub“. Dieser setzt sich in Bewegung, löst sich vom Ausgangsbild und fließt als sichtbare Spur aus dem Raum hinaus – direkt weiter in den nächsten Abschnitt der Installation.

Ein projiziertes Foto von einer Person an der Wand. Das Bild beginnt sich in Pixel zu zersetzen.

Raum 2 - Unterwegs: Übertragung als Welle im Raum

Im zweiten Raum wird der Übertragungsweg selbst erlebbar: Eine gleichmäßige Welle verläuft durch den Raum – von der Satellitenantenne bis zur Parabolantenne der Bodenstation. Sie wird auf einen transparenten, freihängenden Stoff projiziert und wirkt dadurch fast holografisch, als würde sie mitten im Raum verlaufen. Währenddessen wandert der Pixelstaub zur Satellitenantenne. Sobald er dort „ankommt“, verändert sich die Welle sichtbar: Die Veränderung setzt am Satelliten ein und schwappt als modulierte Welle durch den Raum bis zur Bodenstation. Dort wird sie zurückübersetzt – aus der ankommenden Welle entsteht erneut Pixelstaub, der sich wieder in Bewegung setzt und als Spur in den nächsten Raum übergeht.

Die projizierte Welle auf einen transparenten Stoff. Sie ist dabei sich zu verändern.

Raum 3 – Ankunft: Rekonstruktion & Galerie

Im zweiten Raum wird der Übertragungsweg erlebbar: Eine gleichmäßige Welle verläuft durch den Raum – von der Satellitenantenne bis zur Parabolantenne der Bodenstation. Sie wird auf einen transparenten, freihängenden Stoff projiziert und wirkt dadurch fast holografisch im Raum. Währenddessen wandert der Pixelstaub zur Satellitenantenne. Sobald er dort „ankommt“, verändert sich die Welle sichtbar: Die Veränderung setzt am Satelliten ein und verläuft als modulierte (veränderte) Welle bis zur Bodenstation. Dort wird sie zurückübersetzt – aus der ankommenden Welle entsteht erneut Pixelstaub, der als Spur in den nächsten Raum übergeht.

An die Wand projizierter Pixelstrom baut wieder das ursprünglich aufgenommene Bild auf.

Ausblick
 

Die nächste Weiterführung liegt nahe: Die ehemalige Bodenstation in der Nähe meiner Heimat, die mich ursprünglich auf das Thema gebracht hat, soll künftig zu einem Kultur- und Ausstellungsort weiterentwickelt werden. Dort soll erlebbar werden, was an diesem Ort früher passiert ist – und wofür die Bodenstation damals genutzt wurde. Genau hier würde mein Projekt thematisch direkt andocken: Deshalb möchte ich den Kontakt zu den Verantwortlichen suchen, mein Konzept vorstellen und prüfen, ob sich daraus eine Zusammenarbeit ergibt – idealerweise so, dass einzelne Elemente meines Projekts in das Vorhaben einfließen oder als Grundlage für eine Weiterentwicklung dienen können.

Parabolantenne der ESOC Bodenstation in Michelstadt