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Kindred

Projekte User Experience Design 4. Fachsemester

Ein IoT-System, das aus stillem Staunen gemeinsames Erleben macht

Ein Studienprojekt von Yacintha Theato

4. Semester, 2026

Dozierende: Sebastian Haase, Tanja Hakl, Romina Marsico, Prof. Tsunemitsu Tanaka


Worum es geht

Moderne Technologie ist gut darin, Menschen zu verbinden, zumindest auf dem Papier. Soziale Netzwerke, Empfehlungsalgorithmen und digitale Communities suggerieren Nähe, die selten körperlich gespürt wird. Im physischen Raum, etwa in Museen, bleibt echte spontane Verbindung zwischen Fremden dagegen die Ausnahme – nicht weil das Interesse fehlt,

 

sondern weil die Hemmschwelle zu groß und der erste Schritt zu unwahrscheinlich ist. Dieses Projekt untersucht, wie ein IoT-basiertes System im Museumskontext die Voraussetzungen für genau diese Verbindung schaffen kann: körperlich, behutsam und ohne sozialen Druck.

Kindred ist ein Museumssystem, das Faszination als sozialen Rohstoff begreift. Es beobachtet, wofür sich Menschen begeistern, bringt diese Menschen zusammen und gibt ihnen einen körperlich erfahrbaren Moment, der nur gemeinsam entstehen kann.

Der Ablauf beginnt am Eingang: Besucher:innen können ein Token entgegennehmen, dessen Nutzung vollständig freiwillig ist. Es ist ein kleines haptisches Objekt, das sich nicht wie ein technisches Gerät anfühlt und während des gesamten Besuchs um den Hals getragen wird. Während die Person durch die Ausstellung geht, erfasst ein Sensornetzwerk ihr Verhalten: Wo verweilt sie wie lange? Vor welchen Exponaten bleibt sie stehen? Wohin kehrt sie zurück? Diese Verhaltensdaten werden pseudonymisiert. Ein zentrales System verdichtet sie zu einem Faszinationsprofil und ordnet die Person einer Gruppe zu, bestehend aus anderen Besucher:innen, die ähnliches Interesse gezeigt haben. Das Token signalisiert durch subtile Vibration, wenn sich die eigene Zone im Museum in der Nähe befindet.

kleiner schwarzer runder token an halskette wird übergeben
KI-generiertes Bild Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Yacintha Theato, erstellt mit ChatGPT 5.5, 2026
Eine runde Plattform aus motorisierten Metallpins in der Mitte eines dunklen Museumsraums formt einen leuchtenden Dinosaurier-Fußabdruck in warmem Bernsteinlicht. An der Wand dahinter ist eine wachsende Sammlung weiterer Fußabdrücke vergangener Begegnungen zu sehen.
Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Yacintha Theato, erstellt mit ChatGPT 5.5, 2026

Die Zone

Jede Gruppe hat eine eigene Zone. Beim Betreten reagiert der Boden bereits auf normale Schritte mit einer leichten Vibration, ein erstes körperliches Signal, dass dieser Raum auf Bewegung antwortet. In der Mitte der Zone steht das zentrale Medium: eine physische Plattform mit veränderlicher Oberfläche, die mit einem leichten Material bedeckt ist. Solange nur eine Person anwesend ist, ist nur eine dezente Bewegung des Füllmaterials zu erkennen. Erst wenn mehrere Menschen gemeinsam und synchron agieren, beginnt das Material zu rieseln und gibt das darunter liegende Objekt frei. Im Beispielszenario, das sich am Senckenberg Naturmuseum Frankfurt orientiert, ist dieses Objekt ein Dinosaurier-Fußabdruck. Das Prinzip ist jedoch skalierbar: Je nach Ausstellungsinhalt können Zone, kollektive Bewegung und das durch gemeinsame Aktion sichtbar werdende Objekt angepasst werden, was Kindred zu einem flexibel einsetzbaren System für verschiedene Museen und wechselnde Ausstellungen macht.

Der Moment, in dem das Objekt sichtbar wird, ist körperlich für alle Anwesenden gleichzeitig spürbar: Durch die Vibration im Boden, das Geräusch des rieselnden Materials und das Beobachten des gesamten Vorgangs. An der Wand der Zone wird er als Teil einer wachsenden Sammlung sichtbar gemacht: ein stilles Zeugnis aller Begegnungen, die je in diesem Raum entstanden sind. Das Besondere an Kindred liegt in der Verbindung aus behutsamer Technologie und unmittelbar körperlicher Erfahrung.

Das System arbeitet im Hintergrund, unsichtbar, bis es relevant wird. Und in diesem Moment ist es vollständig körperlich: keine Anweisung, kein Bildschirm, kein erklärender Text. Nur ein Medium, das auf Menschen reagiert und Menschen aufeinander reagieren lässt.

Der Prototyp

Da das vollständige IoT-System eine reale Ausstellungssituation voraussetzt, konzentriert sich der Prototyp auf den konzeptionellen Kernmoment: die gleichzeitige synchrone Bewegung zweier Menschen als Auslöser einer gemeinsamen verkörperten Erfahrung. Alle weiteren Systemebenen, von der Tokenlogik über die Profilbildung bis zur Zonenarchitektur, sind im Konzept vollständig ausgearbeitet, im Hochschulrahmen jedoch nicht umsetzbar. Ein Turm mit herausziehbarem Fach wurde digital modelliert und anschließend 3D-gedruckt. Der durchsichtige Kasten darüber wurde manuell aus Hobbyglas geschnitten und zusammengefügt. Eine kleine Dinosaurier-Figur hängt darin als Platzhalter für das durch die gemeinsame Aktion sichtbar werdende Objekt.

Prototyp-Aufbau mit Arduino, Breadboard, vielen Kabeln und 2 Drucksensoren, sowie ein Turm mit Dinofigur darin
Nahaufnahme von technischer Umsetzung

Zwei piezoelektrische Drucksensoren, eingebettet in ausgeschnittene Kartonformen in der Gestalt von Dinosaurier-Fußabdrücken, sind mit einem Arduino-Uno-Mikrocontroller verbunden. Ein Servomotor, dessen Arm mit einem Stück Holz verlängert wurde, um die nötige Reichweite zu erzielen, öffnet das Fach schrittweise, sobald beide Sensoren gleichzeitig gedrückt werden. Sand oder ein ähnliches Füllmaterial rieselt nach unten und gibt die Figur darunter frei. Was alleine nicht funktioniert, gelingt nur gemeinsam.