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Lumi

Ein blauer VOgel ist zu sehen. Neben ihm steht in geschwungener Schrift Lumi.
Projekte User Experience Design 6. Fachsemester

Ambient Intelligence für Wartebereiche am Flughafen, die Menschen einlädt, sich einander zuzuwenden und zu begegnen.

Ein Studienprojekt von Victoria Chau

6. Semester, 2026

Referenten: Romina Marsico, Tanja Hakl, Prof. Tsunemitsu Tanaka


Die Frage hinter dem Projekt

Am Anfang stand keine fertige Idee, sondern eine Beobachtung aus dem Alltag: Eine Gruppe Studierender bewegt sich frei im Raum und hält sich an ungeschriebene Regeln, ohne dass jemand eine Norm ausgesprochen hatte. Erst eine bewusst provozierte Situation zeigt, wie mächtig soziale Normen sind. Daraus entwickelte sich die Forschungsfrage des Projekts:

“Wie kann man mithilfe von Ambient Intelligence in räumlichen und situativen Kontexten das Miteinander unterstützen, wenn unklar ist, welche soziale Norm gefragt ist?”

Flughäfen bündeln in besonderem Maße kulturelle Vielfalt, Zeitdruck und soziale Unsicherheit auf engem Raum.

 

Flughäfen sind Orte des Nebeneinanders.

Menschen aus aller Welt warten nebeneinander, getrennt durch Sprache, kulturelle Normen und die unausgesprochene Regel, Fremde in Ruhe zu lassen. Dabei ist das Bedürfnis nach sozialer Verbindung universell. Menschen unterschätzen zudem, wie positiv kurze Begegnungen mit Fremden erlebt werden: Vorab erwarten die meisten Unbehagen, im Nachhinein wird auch vom Gegenteil berichtet. Nicht der Wunsch nach Kontakt fehlt, sondern häufig der erste Schritt. Genau hier setzt Lumi an.

 

Design ist unsichtbar

Der Soziologe Lucius Burckhardt bringt es in seinem Aufsatz "Design ist unsichtbar" auf den Punkt: Gestaltet werden nicht nur Objekte, sondern die unsichtbaren sozialen Zusammenhänge, in die sie eingebettet sind. Findet Interaktion nicht mehr am Gerät, sondern in der Umgebung statt, wird der Raum selbst zur Schnittstelle. Genau hier setzt Ambient Intelligence an: Technologie, die Anwesenheit und Bewegung erkennt und dabei bewusst im Hintergrund bleibt.

 

Bei Lumi übernimmt diese Aufgabe ein anonymer LiDAR-Sensor, der Anwesenheit und Bewegung von Personen per Lichtlaufzeitmessung erfasst. Burckhardts unsichtbares Design und die Ambient Intelligence treffen sich in der Idee, dass nicht das Objekt auffallen soll, sondern die Wechselwirkung zwischen Mensch und System. Die Technik bleibt in diesem Sinne “unsichtbar”.

Ein Vogel als Vermittler

Lumi ist eine reaktive Lichtprojektion in Form eines kleinen Vogels, die erscheint, sobald jemand die markierte Fläche betritt. Wenden sich zwei Menschen einander zu, beginnen ihre Lichtformen zu interagieren, tasten sich heran, kreisen umeinander. Dreht sich jemand weg, klingt die Interaktion sanft ab.

Vier Stufen strukturieren die Interaktion: neutral, neugierig, freundlich, fröhlich, mit weichen Übergängen dazwischen. Ausgelöst wird das über vier konzentrische Zonen am Boden: Wenn eine Person den markierten Bereich betritt, erscheint ein Vogel. Betritt eine zweite Person ebenfalls die Fläche, auf der Lumi aktiv wird, verändert sich das Verhalten der Vögel. Je nach Abstand, Körperausrichtung und Verweildauer, wechselt der Vogel zwischen den 4 Zuständen.

Die Wahl fiel bewusst auf einen Vogel: Der Vogel reguliert seinen Interaktionswunsch über Distanz und Nähe. Außerdem ist er kulturübergreifend positiv besetzt, neugierig und gleichzeitig verständlich in seiner Bewegung. Er nähert sich vorsichtig und weicht zurück, sobald man zu schnell oder zu direkt zugeht. 

Kommuniziert wird ausschließlich visuell, denn der Gate-Bereich ist akustisch überlastet. Visuell wird ein warmes Lavendel-Blau verwendet, bewusst abweichend vom kühlen, institutionellen Blau des Flughafens, weil eine Einladung wärmere Töne verlangt.

Vier Gefühlszustände von Lumi, einem Vogel.
KI-generierte Illustration · Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Victoria Chau, erstellt mit Perplexity und Gemini Flash, kombiniert mit Canva Komponenten, 2026
Zwei Personen treten in den Bereich in dem Lumi aktiv wird. Lumi sieht neutral aus.
KI-generierte Illustration · Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Victoria Chau, erstellt mit Perplexity und Gemini Flash, kombiniert mit Canva Komponenten, 2026
Zwei Personen kommen sich etwas näher in dem Bereich in dem Lumi aktiv wird. Lumi sieht neugierig aus.
KI-generierte Illustration · Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Victoria Chau, erstellt mit Perplexity und Gemini Flash, kombiniert mit Canva Komponenten, 2026
Zwei Personen kommen sich näher in dem Bereich in dem Lumi aktiv ist. Lumi sieht freundlich aus.
KI-generierte Illustration · Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Victoria Chau, erstellt mit Perplexity und Gemini Flash, kombiniert mit Canva Komponenten, 2026
Zwei Personen sind sich sehr nahe in dem Bereich in dem Lumi aktiv ist. Lumi sieht fröhlich aus.
KI-generierte Illustration · Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Victoria Chau, erstellt mit Perplexity und Gemini Flash, kombiniert mit Canva Komponenten, 2026

Von der Theorie in den Flughafen

Die Recherche endete nicht am Schreibtisch. Nach der Konzeption bestätigte eine Beobachtung, während einer Flugreise: Reisende verhalten sich fast durchgehend nach dem Muster der "civil inattention“, des höflichen Aneinander-Vorbeischauens. Zum Gestaltungsschlüssel wurde eine Erkenntnis: Ein aufgebautes Miniatur-Fußballfeld zog deutlich mehr Menschen an als eine Autopräsentation direkt daneben, weil man das eine erleben, aber das andere nur betrachten konnte. Deshalb ist Lumi ein reaktiver Bereich statt ein bloßer Anblick.

Technik, die verschwindet

Für den Flughafen ist eine Kombination aus LiDAR-Sensorik zur anonymen Personenerkennung, Software und einem Projektor geplant, der die Lichtform auf den Boden wirft.

Bereits umgesetzt ist der erste Prototyp mit einer Webcam, einem Laptop und einem Beamer, mithilfe von Claude Code.

Vom kurzen Moment zum gemeinsamen Gefüge

Was wäre, wenn dieses Miteinander am Gate nicht mit dem Abklingen von Lumi endet, sondern erst beginnt? Ein hoffnungsvoller Gedanke für die Weiterentwicklung ist, dass Lumi ein neues Gemeinschaftsgefühl anstößt, das über den Wartebereich hinauswirkt. Bislang unbewiesen, aber ein denkbares nächstes Forschungsziel. Überprüfbar wäre es etwa durch Langzeittests an unterschiedlichen internationalen Flughäfen.

Mehr als ein Lichtspiel

Lumi versteht sich nicht als Dekoration, sondern als soziales Angebot. Der Name leitet sich vom lateinischen Lumen ab. Licht. Ein Licht, das entsteht, sobald jemand da ist und still fragt, ob das Gegenüber es auch sieht. Am Ende steht ein einfacher Leitgedanke:

Lumi, die Einladung zum Miteinander.

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Projektdokumentation*

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