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LURA

KI-generierte Illustration · Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Larissa Blam · erstellt mit ChatGPT, 2026.
Projekte User Experience Design 4. Fachsemester

Das Projekt macht bestehende Verbundenheit zwischen vertrauten Menschen körperlich spürbar und schafft so einen Anreiz, digitale Ablenkung in gemeinsamen Momenten zu reduzieren.

Ein Studienprojekt von Larissa Blam

4. Semester, 2026

Dozierende: Prof. Sebastian Haase, Tanja Hakl, Romina Marsico, Prof. Tsunemitsu Tanaka


Themeneinführung

Menschen sitzen zusammen und sind trotzdem allein. Das Smartphone ist in sozialen Situationen längst selbstverständlich geworden – und mit ihm ein Verhalten, für das die Forschung einen eigenen Begriff geprägt hat: Phubbing, das Ignorieren des Gegenübers zugunsten des eigenen Displays.

Dahinter steckt selten Desinteresse. Es sind Reflexe: die Angst, etwas zu verpassen, Gewohnheit, ein Gerät, das immer etwas verspricht. Gemeinsame Erlebnisse entstehen jedoch nicht automatisch dadurch, dass Menschen im selben Raum sind. Sie brauchen geteilte Aufmerksamkeit und das Gefühl, voneinander wahrgenommen zu werden. Genau diese Prozesse unterbricht die Smartphonenutzung: Blicke senken sich, nonverbale Signale verschwinden, der Rhythmus des Gesprächs bricht. Man ist physisch zusammen – aber die Aufmerksamkeit ist getrennt.

Zwei Männer sitzen in einem Café. Der linke Mann schaut vertieft in sein Smartphone, während ihn der rechte Mann traurig anschaut.
KI-generierte Illustration · Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Larissa Blam · erstellt mit ChatGPT, 2026.
Ein Mann sitzt auf dem Boden seines Wohnzimmers. Vor ihm steht ein Karton, er öffnet ihn und bunte Farben strahlen ihn an.
KI-generierte Illustration · Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Larissa Blam · erstellt mit ChatGPT, 2026.

Die Idee

Statt zu warnen oder zu kontrollieren, setzt das Projekt auf einen positiven Anreiz, der dem Griff zum Smartphone etwas entgegensetzt. Die Leitfrage lautete: Wie könnte man Menschen in zwischenmenschlichen Beziehungen dazu anregen, digitale Ablenkungen im Alltag zu reduzieren, um das Miteinander zu verbessern?

Die Antwort liegt nicht in einer weiteren App, die Bildschirmzeit begrenzt, sondern in einem Objekt, das man in die Hand nimmt, weil man es will – nicht, weil es ruft. Der Grundgedanke: Wenn das gemeinsame Beisammensein selbst etwas Spürbares, Schönes bekommt, entsteht ein Anreiz, im Moment zu bleiben, statt zum Display zu greifen. Lura ersetzt das Smartphone nicht durch ein Verbot, sondern lenkt die Aufmerksamkeit auf das, was zwischen den Anwesenden ohnehin da ist.

Die Lösung

Lura ist ein Objektset aus Kugeln und einer Schale. Es richtet sich an Menschen, die einander bereits vertraut sind – Freundeskreise, Familien oder Paare – und begleitet sie während gemeinsam verbrachter Zeit, egal wo sie sich befinden, solange die Kugel dabei ist.

Jede Person besitzt ihre eigene Kugel mit einer individuellen Farbe und einem individuellen Vibrationsmuster, die sie zu einem persönlichen, erkennbaren Objekt innerhalb der Gruppe machen. Wie die Farbe genau zugeordnet wird, ist konzeptionell noch offen – denkbar ist, dass die Nutzenden sie selbst wählen und sie sich langfristig sogar über die Jahre verändern kann. Für die reale Nutzung müsste dieser Aspekt noch weiter untersucht werden.

Alleine gibt die Kugel nur ihr eigenes Vibrationsmuster aus. Erst wenn zwei oder mehr Kugeln eine bestimmte Entfernung zueinander unterschreiten, finden sie zu einem gemeinsamen Puls: einem geteilten Vibrationsmuster, begleitet von einem visuellen Impuls.

 

Verbundenheit ist damit nicht nur zu sehen, sondern zu spüren. Die gestalterische Entscheidung folgt dem inhaltlichen Kern – Verbundenheit entsteht nicht allein, sie braucht das Gegenüber. Das Prinzip ist dabei nicht auf zwei Personen begrenzt: Grundsätzlich können mehrere Kugeln miteinander reagieren, sodass Lura auch in einer größeren Runde funktioniert.

Die Schale ist der Heimatort der Kugel. Hier lädt sie, hier kommt sie am Ende des Tages an. Über den Ladeort hinaus ist die Schale konzeptionell als Ort gedacht, an dem die Begegnungen eines Tages zusammenlaufen: Die Idee ist, dass jede Kugel sich die Begegnungen mit anderen Kugeln merkt und sie beim Ablegen an die Schale überträgt, die sie in Farben wiedergibt. Diese Funktion ist bislang Teil des Konzepts und müsste für die reale Nutzung noch weiter ausgearbeitet und untersucht werden.

Vier Freunde , zwei Frauen und zwei Männer, sitzen in einem Park an einem Tisch. Jede:r von ihnen hält eine einfarbige Kugel in der Hand. Jede Kugel hat eine andere Farbe. Sie lachen herzlich.
KI-generierte Illustration · Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Larissa Blam · erstellt mit ChatGPT, 2026.
Ein Mann sitzt auf dem Boden seines Wohnzimmers. Links von ihm steht ein Karton. Direkt vor ihm steht eine Schale mit einem bunten LED Streifen außenherum. In der Schale liegt eine grüne Kugel. Der Mann hat die Augen geschlossen. Über ihm sieht man seine Gedankenblase, das vorhergegangene Treffen mit seinen Freunden.
KI-generierte Illustration · Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Larissa Blam · erstellt mit ChatGPT, 2026.

Die Umsetzung

Um das Konzept erfahrbar zu machen, entstand ein funktionaler Prototyp aus zwei Kugeln und einer Schale. Er bildet den Kern des Konzepts ab: das individuelle Vibrationsmuster jeder Kugel, den gemeinsamen Puls bei Annäherung sowie die farbige Reaktion der Schale, sobald eine Kugel hineingelegt wird.

Technisch basiert das System auf ESP32-Mikrocontrollern, die eine drahtlose Kommunikation zwischen den Objekten ermöglichen. Im Code ist definiert, ab welcher Entfernung die Kugeln in den gemeinsamen Puls übergehen und wann die Schale auf eine eingelegte Kugel reagiert. Verbaut sind Vibrationsmotoren für das haptische Feedback sowie LED-Streifen in den Kugeln und außen um die Schale. Akkus machen die Kugeln frei im Raum bewegbar –  Beschleunigungssensoren sorgen dafür, dass die Kugeln beim Hochnehmen aus dem Ruhezustand erwachen und mit Licht und Vibration reagieren.

 

Eine zentrale Herausforderung lag in der Haptik: Die Vibration muss durch die etwa fünf Millimeter starke Wand der 3D-gedruckten Kugel spürbar bleiben – bei gleichzeitig begrenzter Stromversorgung des Mikrocontrollers. Erst nach mehreren Testreihen war das passende Zusammenspiel aus Motorleistung, Wandstärke und Stromversorgung gefunden.

Das Projekt zeigt, wie ein bewusst reduziertes, sinnliches Objekt einen Gegenpol zum Bildschirm bilden kann – nicht durch Verbot, sondern durch ein Erlebnis, das Nähe unmittelbar erfahrbar macht. Ob es die Smartphonenutzung tatsächlich verringert, wäre in einem nächsten Schritt durch eine Erprobung mit Nutzenden zu überprüfen.

Eine blau beleuchtete Kugel liegt in einer Schale, um die ein blau-grünes Licht rotiert.
Eine grün beleuchtete Kugel liegt in einer Schale, um die ein blau-grünes Licht rotiert.