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Notice

Projekte User Experience Design 6. Fachsemester

Eine räumlich eingebettete Installation, die durch die Reaktion der Umgebung kurze soziale Momente zwischen Wartenden entstehen lässt.

Ein Studienprojekt von Tyler Döll und Celina Thies  –  6. Semester, 2026

Dozierende: Prof. Sebastian Haase, Tanja Hakl, Romina Marsico, Prof. Tsune Tanaka


Worum geht es?

Ein Waschsalon ist eine neutrale Begegnungsstätte: Menschen warten in derselben Umgebung, teilen aber selten einen Moment miteinander. Notice setzt genau dort an und untersucht, wie durch eine räumlich eingebettete, zurückhaltende Intervention aus bloßem Nebeneinander kurze Begegnungen entstehen können.

Notice ist kein klassisches Produkt, sondern eine atmosphärische Reaktion der Umgebung auf menschliche Anwesenheit. Ein stilles System erkennt Präsenz und antwortet mit subtilen Licht- und Bewegungsmustern, die gemeinsame Aufmerksamkeit und beiläufigen Austausch wahrscheinlicher machen.

drei Personen, die voneinander abgewendet sind und nur für sich. Der Mann links ist in Gedanken, die Frau in der Mitte ist an ihrem Handy und die Frau rechts hört Musik
Personen sind mit sich beschäftigt. KI-generierte Illustration • Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Tyler Döll • erstellt mit ChatGPT/Sora, 2026.
Mann kommt durch eine Tür in einen Raum, unter ihm erscheint ein grüner Fleck, welcher projeziert ist. Er ist überrascht und schaut den Fleck an.
Person betritt Raum, Bodenprojektion erscheint. KI-generierte Illustration • Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Tyler Döll • erstellt mit ChatGPT/Sora, 2026.

 

Hintergrund und Problem

Viele öffentliche und halböffentliche Orte – auch Waschsalons – werden zwar gemeinsam genutzt, bleiben aber sozial passiv. Gewohnheiten wie bewusstes Nicht-Beachten und räumliche Distanz führen dazu, dass Menschen nebeneinander existieren, obwohl oftmals eine stille Offenheit für Kontakt gegeben ist.

Diese Offenheit bleibt jedoch meist ungenutzt – ein kurzer Blick, ein beiläufiges Wort reichen oft nicht aus, um die unsichtbare Distanz zwischen fremden Menschen im selben Raum zu überbrücken.

Der Waschsalon ist dabei eine Zwischenumgebung: weder privater Rückzugsort noch klassischer Treffpunkt. Diese Unsicherheit bietet zugleich Potenzial – hier kann eine feine, atmosphärische Gestaltung ansetzen, ohne den Ort grundlegend umzudefinieren.

Konzept und Interaktion

Kern von Notice ist die Triangulation*: Begegnung entsteht über ein Drittes – das Licht, auf das beide reagieren, ohne sich direkt anzusprechen.

Ist eine Person da, folgt ihr ein sanftes Licht. Kommt eine zweite hinzu, entsteht zunächst ein zweiter, getrennter Lichtbereich. Wenden sich beide einander zu, verschmelzen die Bereiche zu einer gemeinsamen Farbe – das ist der Moment, der Blickkontakt oder ein Lächeln erleichtert.

Die Intervention bleibt leise: kein Zwang, keine Bewertung. Notice ist ein stiller Gastgeber, der den Ort um eine Ebene der Wahrnehmung ergänzt.

*Triangulation: Ein gemeinsamer externer Reiz bringt zwei Fremde in denselben Fokus, ohne dass sie sich direkt ansprechen müssen. Der Kontakt entsteht über das Dritte, nicht über eine direkte Ansprache.

Eine Frau kommt in den Raum zu dem Mann, der auf dem grünen projezierten Fleck steht, unter der Frau erscheint ein roter projezierter Fleck, sie sind beide überrascht, zwischen den Flecken entsteht ein farblich passender Strang, der die Verbindung der beiden Aufzeigen soll.
zweite Person betritt Raum, weitere Bodenprojektion erscheint. KI-generierte Illustration • Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Tyler Döll • erstellt mit ChatGPT/Sora, 2026.
Drei Personen, die auf einer Bodenprojektion stehen, jeder von ihnen hat einen eigenen farbigen Kreis, zwischen den Kreisen entstehen Stränge als Verbindungen.
Drei Personen testen Prototyp.

 

Umgebung und Umsetzung

Umgesetzt wurde das Prinzip als funktionierender Prototyp: Ein Kinect-Sensor erfasst ausschließlich Körperkoordinaten (Schultern, Hüfte) als anonyme Positionsdaten – kein Kamerabild, kein Gesicht, keine Identität. Ein Beamer projiziert darauf ein reaktives Lichtmuster (GLSL-Shader) auf den Boden. Nähern sich zwei Personen einander zugewandt an, verschmelzen ihre Lichtzonen zu einer gemeinsamen Farbe – zufällige Bewegung allein löst nichts aus. Vergangene Begegnungen bleiben kurz als verblassende Spur sichtbar, bevor sie verblassen.

Getestet wurde der Aufbau bislang mit einer einzelnen Projektionsfläche im Testsetting; die volle Installation mit mehreren Beamern im realen Waschsalon fand nicht statt. Verarbeitet wird durchgehend nur Anwesenheit, nie Identität.

Fazit und Ausblick

Notice liest den Waschsalon neu: als alltägliche Funktionsumgebung mit sozialem Potenzial. Die Gestaltung versteht Interaktion nicht als Pflicht, sondern als Möglichkeit, die über Atmosphäre eröffnet wird. Statt ein lautes Objekt zu platzieren, entsteht eine Umgebung, die wahrnimmt, reagiert und gemeinsame Momente sanft unterstützt.

Getestet werden konnte bisher, dass das System auf Anwesenheit, Nähe und gegenseitige Zuwendung reagiert und dass daraus im Prototyp nachvollziehbare, gemeinsame visuelle Momente entstehen. Ob und wie oft daraus im realen Waschsalonalltag über längere Zeit tatsächlich Begegnung entsteht, ist damit noch nicht belegt, sondern bleibt eine offene, aber begründete Annahme – und genau das ist Teil der gestalterischen Haltung: Notice erzwingt keine Interaktion, sondern schafft die atmosphärischen Bedingungen dafür.

Notice versteht sich daher als Impuls: ein Ansatz, der soziale Interaktion in alltäglichen Umgebungen sichtbar und erlebbar macht – dessen tatsächliche Wirkung sich erst im realen, langfristigen Einsatz zeigen wird.

Vier Menschen sind in einem Waschsalon, jeder ist für sich, alle haben andere Charaktereigenschaften. Es gibt keine Interaktion zwischen den Menschen.
Vier Personen im Waschsalon sind isoliert für sich. KI-generierte Illustration • Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Tyler Döll • erstellt mit ChatGPT/Sora, 2026.