safe.net
Ein dreiphasiges Transferwerkzeug für Eltern von Kindern zwischen 7 und 12 Jahren zur Förderung familiärer Medienkompetenz, das das Wissen aus dem Workshop direkt in den Familienalltag überträgt und Orientierung, Unterstützung sowie Zugehörigkeit bietet.
Ein Bachelorprojekt von Anastasiia Mazur
7. Semester, 2026
Referent:innen: Prof. Andrea Krajewski und Prof. Tsunemitsu Tanaka
Problemstellung
Die Mediennutzung beginnt bei vielen Kindern in immer früheren Lebensjahren. Oft gehört ein eigenes Smartphone bereits im Grundschulalter zum Alltag. Da das Einschätzen von Konsequenzen des eigenen Online-Handelns im Alter zwischen 7 und 12 Jahren einen kontinuierlichen Lernprozess darstellt, profitieren Kinder in diesem Alter von einer aktiven Unterstützung durch Erwachsene.
Hierbei spielen die Förderung von Medienkompetenz und digitaler Resilienz eine entscheidende Rolle. Das Fundament dafür bildet die Familie. Viele Eltern sind mit dem Thema Medienkompetenz jedoch überfordert, weil ihnen das Fachwissen fehlt und sie nicht wissen, wo sie im Alltag ansetzen sollen. Gleichzeitig kämpfen viele Erwachsene mit der eigenen Vorbildrolle, da digitale Geräte für sie im Alltag oft unbewusst präsent sind. Vielen Eltern fehlt der aktive Austausch, das Gefühl der Zugehörigkeit und das Wissen, dass sie mit den täglichen Herausforderungen nicht allein sind.
Die Lösung
safe.net ist ein analoges, dreiphasiges Transferwerkzeug, das speziell für Eltern von Kindern einer Schulklasse (7 bis 12 Jahre) entwickelt wurde. Es bietet Orientierung im Familienalltag, ermöglicht einen Dialog mit dem Kind auf Augenhöhe und bezieht die gesamte Familie aktiv ein. Gleichzeitig bietet es den Eltern eine unterstützende Community, in der sie Erfolge teilen, Herausforderungen gemeinsam bewältigen und kollektive Lösungen als Orientierung für die gesamte Schulklasse erarbeiten können.
Das Konzept verbindet drei aufeinander aufbauende Phasen zu einem zusammenhängenden Ablauf:
1) Der interaktive Kick-off-Workshop: Vermittlung von Grundlagenwissen und Analyse fiktiver Alltagssituationen, um ein besseres Verständnis für Herausforderungen rund um die Mediennutzung zu entwickeln.
2) Die Anwendung zu Hause: Gemeinsames Erproben, Anpassen und Nachverfolgen von Regeln als Familie.
3) Die Eltern-Community: Monatlicher, moderierter Austausch, um Erfahrungen zu teilen und Regeln weiterzuentwickeln.
Das Werkzeug im Überblick
Im Workshop erhalten die Eltern eine safe.net-Box, die als Mittel dient, um Wissen aus dem Vortrag direkt in den Erziehungsalltag zu übertragen und die familiäre Medienkompetenz nachhaltig zu fördern. In der Box befinden sich:
- Eine übersichtliche Anleitung.
- Ein Handout (Infoheft) mit fundierten Hintergrundinformationen, Richtwerten und Lösungsansätzen.
- Die im Workshop bearbeiteten Karten.
- 18 beidseitig bedruckte Karten für die Anwendung zu Hause und den Community-Austausch.
Der Workshop
Die erste Phase bildet ein interaktiver Workshop: Eltern einer Schulklasse werden zu einer Kick-off-Veranstaltung eingeladen, um eine theoretische Handlungsgrundlage zu erhalten. Der Workshop startet mit einem 20-minütigen Vortrag über die Mechanismen sozialer Medien, Richtwerte zur Bildschirmzeit, das erste Smartphone und theoretische Lösungsansätze. Der Vortrag hilft, Unsicherheiten abzubauen und den Eltern zu zeigen, dass sie mit ihren Fragen nicht alleine sind.
Anschließend bearbeiten die Eltern in Gruppen von 4 bis 5 Personen unter Anleitung der Moderation die Situationskarten. Die insgesamt sechs Karten zeigen fiktive, alltagsnahe Szenarien wie die elterliche Vorbildwirkung oder heimliche Mediennutzung. Die Eltern analysieren die Situationen und ordnen ihnen mittels physischer Token die passenden psychologischen Dynamiken und digitalen Mechanismen zu, um diese besser zu verstehen und neue Perspektiven einzunehmen. Als direkte Unterstützung befinden sich auf der Rückseite jeder Karte praxisnahe Lösungsansätze.
Die Anwendung zu Hause
Die Karten gliedern sich in sechs Kategorien:
1) Allgemeine Prinzipien der Medienkompetenz (medienfreie Zonen, Vorbildfunktion, Vertrauen & Absprachen, Ideen für Offline-Alternativen)
2) Sozialer Druck & Zugehörigkeit (Erreichbarkeitsdruck, Angst, etwas zu verpassen)
3) Werte & Daten (Datenschutz, Urheberrecht/Recht am eigenen Bild)
4) Nutzung & Selbstregulation (Bildschirmzeit, Umgang mit heimlicher Nutzung)
5) Anerkennung & Plattformmechanismen (Online- vs. Offline-Selbstbild, Online-Metriken)
6) Gefahren im Netz (unpassende Inhalte, Kontakte mit Fremden)
Konkreter Ablauf
Die Familien wählen je nach aktuellem Bedarf und Altersstufe des Kindes eine passende Karte aus, die jeweils zwei praxisnahe Lösungsvorschläge bereitstellt. Um eine Partizipation auf Augenhöhe zu gewährleisten, sollten sich Eltern und Kinder gemeinsam hinsetzen und die Regeln vereinbaren. Dazu wird der freie Anpassungsraum auf der Karte ausgefüllt, um beispielsweise konkrete handyfreie Zonen festzulegen.
Zur Motivation bietet jede Karte ein Tracking-System für jeden erfolgreichen Tag. Ergänzend kann vorab eine gemeinsame analoge Belohnung für das Einhalten der Regeln vereinbart werden, wie ein Ausflug oder ein Spieleabend. Dieses Vorgehen kann besonders Kindern helfen, sich an Vereinbarungen zu halten und motiviert zu bleiben. Am Ende der Woche dient die Karte der gemeinsamen Reflexion, indem die Familie ihr Wochen-Highlight oder wichtige Erkenntnisse schriftlich festhält.
Die Community
Parallel zur Anwendung zu Hause finden monatliche, moderierte Community-Treffen für die Eltern der Schulklasse in den Räumlichkeiten der Schule statt.
Die Eltern bringen die Karten mit, die sie zu Hause ausprobiert haben oder noch ausprobieren möchten. Auf den Rückseiten befinden sich Notizfelder, auf denen die Familien festhalten können, was gut funktioniert hat und welche Hürden aufgetreten sind. In der Gruppe werden Erfolge geteilt, Alltagserfahrungen besprochen und neue Impulse direkt auf den Karten notiert. Diese Treffen dienen dazu, eine gemeinsame Orientierung innerhalb der Schulklasse zu finden, da jede Familie eigene Werte und Rahmenbedingungen mitbringt. Wenn Eltern ähnliche Grundprinzipien vereinbaren, kann dies zur Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls für die gesamte Klassengemeinschaft beitragen.
Um die persönlichen Daten der Familien und die Privatsphäre der Kinder zu schützen, basiert der Austausch auf klaren Verhaltensregeln, die von der Moderation kommuniziert werden.
Die Produktion
Alle beschriebenen Elemente wurden prototypisch ausgearbeitet. Die Karten wurden im DIN-A5-Format auf robustem 400-g-Karton gedruckt und matt cellophaniert. Die abgerundeten Ecken beugen Abnutzung vor, während die Veredelung das Beschriften mit non-permanenten Markern sowie ein feuchtes Abwischen ermöglicht. Passend dazu wurde die Anleitung auf einem matt folierten 300-g-Karton umgesetzt, der dank einer Zickzack-Faltung genau das Kartenformat aufgreift und eine übersichtliche Handhabung garantiert. Beim Infoheft sorgt die Kombination aus einem stabilen 300-g-Umschlag und leichterem 180-g-Papier für die Innenseiten für eine hochwertige Haptik bei zugleich angenehmem Blättern. Die mit 130-g-Papier bezogene Aufbewahrungsbox trennt optisch klar die Materialien der drei Phasen voneinander.
Prototyping und Testing
Vor der Umsetzung wurden zwei iterative Testdurchläufe mit Paper-Prototypen durchgeführt, um das Erstdesign und das Gesamtkonzept direkt mit Eltern abzugleichen. Die Ergebnisse bestätigten die dreistufige Struktur als logisch und hilfreich. Gleichzeitig zeigten die Tests Anpassungsbedarf bei visuellem Design und Typografie. Zudem müssen die Karten für die Anwendung zu Hause flexibel sein, um sowohl strukturierten als auch lockereren Familien gerecht zu werden. Für eine optimale Entlastung sollte die Eltern-Community zwar in bestehende Schulstrukturen eingebunden werden, die Termine müssen jedoch unabhängig von regulären Elternabenden stattfinden.