SeatMatch
Eine Desktop-Anwendung, die bei langen Reisen eine Unterhaltung bietet.
Ein Studienprojekt von: Eileen Wirsing
3. Semester, 2025
Dozierende: Tanja Hakl, Andrea Krajewski, Romina Marsico, Tsunemitsu Tanaka, Tomas Zebis
Das Thema
Im Projekt „SeatMatch“ habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie Langstreckenzugreisen für Freizeitreisende sozial anschlussfähiger gestaltet werden können. Ausgangspunkt war die Beobachtung aus meinem Desk Research, dass im Zug zwar ein geteilter halböffentlicher Raum entsteht, es auf längeren Fahrten jedoch oft an einem konkreten Anlass für Austausch fehlt.
Gleichzeitig zeigte die Recherche, dass sich Bedürfnisse während der Zugreise unterscheiden. Manche Fahrgäste wünschen sich Ruhe, Rückzug und Komfort, andere sind vor allem auf Freizeitreisen offen für Begegnung und Gespräch. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Sozialität und Privatheit setzt dieses Projekt an.
Die Idee
Die Idee von SeatMatch ist ein optionaler Service, der bereits vor der Reise passende Rahmenbedingungen für Begegnung schafft, statt spontane Interaktion dem Zufall zu überlassen. Fahrgäste, die sich Austausch wünschen, können auf Basis selbst gewählter Kriterien gematcht werden, während Reisende mit Wunsch nach Ruhe passende Sitzbereiche erhalten.
So entsteht nicht einfach nur eine Sitzplatzwahl, sondern eine respektvolle Strukturierung des Zugraums nach unterschiedlichen Bedürfnissen.
Das Ziel ist, die Reisequalität zu erhöhen, ohne andere Fahrgäste zu stören oder zu sozialer Interaktion zu drängen.
Die Lösung im Detail
Der zentrale Touchpoint des Konzepts liegt im Ticketbuchungsprozess für Langstreckenzüge. SeatMatch ist als digitale Webanwendung gedacht, die optional in die Buchung integriert wird und Nutzerinnen und Nutzern schon vor Reiseantritt die Möglichkeit gibt, ihre Präferenzen anzugeben und sich auf die Fahrt vorzubereiten.
Die Lösung besteht aus mehreren Bausteinen: einer Auswahl zwischen Ruhebereich und Matching, der Eingabe von Kriterien wie Arbeits- oder Interessensfeldern, einem darauf basierenden Sitzvorschlag sowie einer visualisierten Sitzplatzwahl im Zug. Wer sich für Austausch entscheidet, kann einen Platz in der Nähe passender Gesprächspartner erhalten und wer Rückzug bevorzugt, bekommt einen Vorschlag in einem ruhigeren Bereich.
Besonderheit
Besonders an SeatMatch ist, dass der Service nicht an ein Event gebunden ist, sondern grundsätzlich in reguläre Buchungsprozesse integrierbar bleibt. Im Unterschied zu bestehenden Angeboten wie Ruhe- oder Familienbereichen schafft das Konzept aktiv einen Anlass für Gespräche und verbindet diesen mit einer bewussten räumlichen Organisation im Zug.
Die Umsetzung
Umgesetzt habe ich das Konzept als digitalen Prototyp einer Webanwendung. Im Designprozess kamen dafür unter anderem Design Brief, Value Proposition, Persona, Experience Map, Moodboard, Wireframes und schließlich ein High-Fidelity-Prototyp zum Einsatz, der den Buchungs- und Auswahlprozess exemplarisch abbildet.
Gestalterisch orientiert sich SeatMatch am Kontext der Deutschen Bahn, um Vertrautheit im Nutzungserlebnis zu schaffen, interpretiert diesen Rahmen aber eigenständig weiter. Statt der roten DB-Markenfarbe verwendet der Service einen dunklen Blauton, die Oberfläche arbeitet mit klarer Schrittführung, vertrauten Buttons und einem sachlich-freundlichen Charakter, nach dem Typ eines professionellen Reise-Concierges.