Direkt zum Inhalt Skip to maincontent Direkt zum Footer Skip to footercontent

Slink

Projekte User Experience Design 6. Fachsemester

Ein portables Bodenprojektionssystem, das auf Bewegung im Wartebereich reagiert und Annäherung zwischen Fremden sichtbar macht.

Ein Studienprojekt von Katja Bozic 

6. Semester, 2026 

Dozierende: Ben Faust, Sebastian Haase, Tanja Hakl, Romina Marsico, Max Studanski, Prof. Tsunemitsu Tanaka


Nebeneinander, nicht miteinander
 

Wer auf ein Konzert, ein Festival oder eine Ausstellung wartet, steht oft minutenlang nebeneinander, ohne miteinander zu sprechen. Alle haben dasselbe Ziel, dieselbe Vorfreude. Und trotzdem: Stille, Smartphones, Isolation. Genau dieser Moment ist das Thema von Slink.

KI-generierte Illustration · Konzeption und redaktionelle Bearbeitung: Katja Bozic · erstellt mit Adobe Firefly, 2026.

Die Denkgrundlage
 

Ein gemeinsamer Moment wird selten durch die beteiligten Menschen selbst unterbrochen. Der Bruch kommt häufig von außen, etwa durch ein Smartphone oder eine Unterbrechung, aber auch innere Faktoren wie Unsicherheit oder Desinteresse können eine Rolle spielen. Ambient Intelligence kann hier ansetzen, indem der Raum selbst einen Anlass für gemeinsame Aufmerksamkeit schafft, ohne zu stören und ohne etwas einzufordern.

Slink stützt sich auf die Experience Economy von Pine und Gilmore (1999), insbesondere auf das Konzept des Eskapismus als eine von vier Erlebnisdimensionen. Ihre zentrale Idee ist, dass ein starkes Erlebnis Menschen aktiv aus ihrem Alltag heraushebt, statt sie nur passiv zuschauen zu lassen. Diese Idee wurde auf den Wartebereich übertragen: Statt die Zeit nur zu überbrücken, sollen Menschen für einen Moment aktiv Teil von etwas werden, gemeinsam mit anderen, die sie vorher nicht kannten.

Pine, B. J., & Gilmore, J. H. (1999). The Experience Economy: Work Is Theatre & Every Business a Stage. Boston: Harvard Business School Press.

Was ist Slink?
 

Slink ist ein portables Bodenprojektionssystem, das den Wartebereich vor Kultur- und Freizeitveranstaltungen in einen gemeinsamen Moment verwandeln kann. Ein Projektor projiziert eine geschwungene Lichtform auf den Boden der Warteschlange. Eine Kamera auf demselben Stativ erfasst die Personen im Wartebereich, sodass die Projektion in Echtzeit auf ihre Bewegungen reagieren kann. Kein Interface, keine App, keine gesprochene oder geschriebene Aufforderung: Die Projektion reagiert von selbst auf Bewegung, ohne dass jemand sie aktiv bedienen muss.

Drei Personen stehen auf der leuchtenden Lichtprojektion von Slink

Drei Personen stehen nah beieinander auf der Bodenprojektion. Ein heller Lichtschein markiert die Stelle, an der sie sich begegnen.

Wie funktioniert es?
 

Slink unterscheidet vier Zustände. Im Ruhezustand bewegt sich die Lichtform langsam und grau durch den Raum, kaum wahrnehmbar, aber da. Sobald eine einzelne Person sich bewegt, leuchtet die Lichtform an ihrer Position in den Gestaltungsfarben von Slink auf: von Kaltblau über Lila bis Magenta. Kommen zwei Menschen einander näher, entsteht an genau dieser Stelle ein heller Lichtschein, die Nähe zwischen ihnen wird sichtbar. Wenn mehrere Menschen gleichzeitig gestikulieren, etwa durch ausgestreckte Arme, reagiert das System kollektiv: Je mehr Personen gleichzeitig eine Geste ausführen, desto intensiver wird das Licht.

Von der Kamera zur Position
 

Eine Kamera erfasst die Personen im Wartebereich. Ihre Positionen werden mithilfe eines Objekterkennungsmodells (YOLOv8) in Echtzeit berechnet. Aus den erkannten Positionen wird der Abstand zwischen den Personen bestimmt. Zusätzlich wird aus der erkannten Körperkontur beziehungsweise dem Begrenzungsrahmen das Seitenverhältnis berechnet, wodurch sich eine ausgestreckte Armhaltung von einer neutralen Haltung unterscheiden lässt.

Die erfassten Bilddaten werden ausschließlich lokal zur Positionsberechnung in Echtzeit verarbeitet und nicht dauerhaft gespeichert. Nach der Verarbeitung werden sie verworfen.

Von der Position zur Reaktion
 

Die berechneten Positions- und Konturdaten werden fortlaufend über eine lokale Netzwerkverbindung an die Steuerungssoftware übertragen. Diese verarbeitet die Informationen und passt die Projektion in Echtzeit an. Kamera und Projektor sind auf einem gemeinsamen Stativ montiert und müssen vor jedem Einsatz auf die jeweilige Bodenfläche kalibriert werden, damit die Positionen der Personen korrekt auf die Projektionsfläche übertragen werden.

Ein realer Einsatz in einer Warteschlange wirft dabei praktische Fragen auf. Es muss genügend Bewegungsraum bestehen, ohne bestehende Absperrungen oder Fluchtwege zu beeinträchtigen. Bereits die Nähe zwischen zwei Personen genügt für eine sichtbare Reaktion, sodass das System grundsätzlich auch von Menschen mit eingeschränkter Mobilität genutzt werden kann. Da Slink jedoch ausschließlich über visuelle Projektionen kommuniziert, ist es für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen nicht gleichermaßen zugänglich.

Für wen?
 

Slink richtet sich an zwei unterschiedliche Gruppen. Zum einen an Veranstaltende und Kulturinstitutionen, für die das System eine Möglichkeit bietet, das Erlebnis bereits vor dem Einlass beginnen zu lassen. Zum anderen an die Menschen, die vor Ort warten und für die Slink die Wartezeit potenziell weniger passiv gestalten kann.

Das geplante Einsatzszenario von Slink liegt in Wartesituationen vor Kultur- und Freizeitveranstaltungen. Im Rahmen dieses Studienprojekts wurde jedoch keine reale Warteschlange getestet, sondern ein Prototyp bei einer öffentlichen Ausstellung erprobt. Dabei wurde beobachtet, dass mehrere Besucher:innen die grundlegende Reaktion der Projektion ohne vorherige Erklärung verstanden und erkannten, dass Bewegung und Nähe eine Veränderung der Lichtform auslösen.

Fazit
 

Am Ende dieses Projekts steht eine einfache Erkenntnis: Licht und Bewegung im Raum können genügen, um Nähe zwischen Menschen sichtbar zu machen, ganz ohne gesprochene Erklärung. Aus einem stillen Nebeneinander könnte so, mit der richtigen Gestaltung, ein geteilter Moment werden. Manchmal braucht es dafür nur einen sanften Anstoß.